Mazda SkyActiv rettet den Benzinmotor

Hat der Verbrenner eine Zukunft? Mazda sagt ja!
Mazdas SkyActiv-X-Maschine
Unscheinbar von außen, aber der SkyActiv-X-Motor hat es in sich. Mazda
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 02.03.2018

Die ganze Welt schafft den Benzinmotor ab. Die ganze Welt? Nein! Ein von unbeugsamen Japanern geleiteter Autobauer hört nicht auf, der Entwicklung Widerstand zu leisten. Ähnlich, wie die Gallier in den berühmten Comics gegen die Römer ausharren, ist Mazda einer der weniger Autobauer, die eine echte Zukunft für den Benzinmotor sehen. In der Vergangenheit experimentierte der Hersteller immer wieder mit unkonventionellen Antriebskonzepten wie dem Wankelmotor. Und während alle anderen Hersteller den Dieselmotor wie eine heiße und sehr schmutzige Kartoffel fallen lassen, schaut man sich bei Mazda das Konzept noch einmal sehr genau an. Das Ergebnis heißt SkyActiv-X und soll das Leben den Benziners noch einmal um ein paar Jahre verlängern.

Mazda will nicht auf das Elektroauto warten

Bis das Elektroauto wirklich alltagstauglich ist, werden noch einige Jahre bis Jahrzehnte ins Land gehen. In der Zwischenzeit werden wir uns wohl oder übel noch auf explodierendes Benzin verlassen müssen, wenn wir noch schnell die 200 Meter zum Supermarkt zurücklegen wollen. Der Benzinmotor hat allerdings immer noch ein paar fundamentale Probleme, allen voran sein geringer Wirkungsgrad. An dieser Stelle setzt Mazda an. Der Versuch, einen selbstzündenden Benziner zu bauen und so die Effizienz des Dieselmotors mit dem „geringen“ Schadstoffaustoß eines modernen Benziners zu kombinieren, ist nicht neu. Daimler, BMW und einige andere haben es in der Vergangenheit versucht und sind letzten Endes gescheitert. Nicht so Mazda.

Mazdas komplexe Motorentechnik

SkyActiv-X ist eine Technologie, die ohne moderne Computersysteme nicht möglich wäre. Wenn man ein dünnes Benzin-Luft-Gemisch zu stark verdichtet, kommt es zum sogenannten Klopfen, der Albtraum eines jeden Autofahrers. Das Gemisch muss also genau zum richtigen Zeitpunkt den kritischen Dichtepunkt erreichen, damit es den Motor nicht sofort zerstört und so einem Mechaniker einen netten Urlaub beschert. Außerdem mögen Selbstzünder keine Kaltstarts, wie man jedem Dieselmotor an den dicken, schwarzen Rauchwolken ansehen kann. Mazdas Lösung trägt den wenig einprägsamen Namen Spark-Controlled Compression Ignition, oder SPCCI.

Für jede Situation der richtige Antrieb

Der SkyActiv-X-Motor kann, vereinfacht gesagt, in zwei verschiedenen Modi laufen: Wenn mehr Leistung gefragt ist oder der Motor kalt ist, wird das Benzin-Luft-Gemisch im Zylinder wie gehabt mit einer Zündkerze gezündet. So wird das Klopfen des Motors bei hoher Beanspruchung verhindert. Sobald das Computersystem erkennt, dass alle Konditionen für ein Selbstzünden vorhanden sind, wird der Motor umgestellt. Weniger Treibstoff wird mit mehr Luft gemischt, das Gemisch verbrennt effizienter und kühler. Das spart nicht nur Benzin, sondern auch Zündkerzenverschleiß und sorgt dafür, dass das Kühlsystem kleiner und effizienter ausfallen kann. Laut Mazda sind so Treibstoffeinsparungen von bis zu 30 Prozent möglich. Damit würde der SkyActiv-X sparsamer laufen als ein vergleichbarer Dieselmotor von Mazda. Im Labor ist der neue sparsame Benzinmotor fast serienreif, 2019 sollen die ersten Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen unterwegs sein. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? Stimmt, denn das Allheilmittel ist auch diese neue Technologie nicht.

SkyActiv-X: Für Mechaniker ein Albtraum?

SkyActiv-X könnte ohne moderne Computer nicht funktionieren. Alles hängt an Prozessoren und Sensoren, deren Haltbarkeit ein einschränkender Faktor für die Zuverlässigkeit der Motoren sein kann. Mechaniker, die einen SkyActiv-X-Motor warten wollen, brauchen vorher eine gründliche Einweisung, im Zweifelsfall sind teure Ersatzteile eher nötig. Über den Preis des neuen Motors ist ebenfalls noch nichts bekannt, wir gehen aber nur von einem kleinen Preisanstieg gegenüber einem Standard-Mazda aus. Ob SkyActiv-X dem Benzinmotor tatsächlich noch zu einer Gnadenfrist verhelfen kann, ist schwer zu sagen. Mazdas Spiel mit alternativen Motoren war schon immer gefährlich, besonders der Wankelmotor fand, außerhalb einer kleinen Fangemeinde, kaum Abnehmer und kostete in der Entwicklung Unsummen.


Weitere Artikel zu diesem Thema