Ferrari für jedermann

Alfa Romeo Giulia zeigt sich mit bombastischen 510 PS
Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde.
Emotionale Rückkehr in die Mittelklasse: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde.
sascha
Einleitung von Sascha Nendza, Redakteur bei PKW.de 25.06.2015

Köln, 25.06.2015 – Endlich: Romeo hat seine Giulia wieder. Und damit darf die darbende Fiat-Kultmarke Alfa Romeo auch endlich wieder selbstbewusst in die Zukunft blicken. Der zwischenzeitlich zur Kleinwagenmarke vorgekommene Traditionshersteller zeigt mit der Giulia nämlich wieder Größe, welche die Alfa-Fans lange Zeit schmerzlich vermissten. Zwar haben die Italiener mit dem [Sportwagen 4C](https://www.pkw.de/ratgeber/autonews/alfa-romeo-4c-spider-preis) einen gewaltigen Image-Aufpolierer frisch im Portfolio. Für wieder anständigere Absatzzahlen wird allerdings erst die nicht minder emotionale Giulia sorgen, die sich zunächst in der 510 PS starken Version Quadrifoglio Verde mit Ferrari-Motor vorstellt.

Mit einer Mittelklasse-Limousine will Alfa also verlorenen Boden wieder gut machen. Und die haben die nicht gerade wenigen Fans des 159 auch lange vermisst. Allen voran Alfa-Testimonial Claus-Theo Gärtner, der sich gewiss über eine Ablöse für seinen 159 freuen würde. Wie ein direkter Nachfolger des 159 wirkt die Giulia allerdings nicht. Optisch ist die DNA des einstigen Mittelklasse-Beaus nicht erkennbar. Das ist allerdings nicht weiter dramatisch, denn ein Hingucker ist das elegante und dank vieler Sicken auch mit einer gewissen Würze gesegnete Blechkleid allemal.

Schönes Ding: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde.
Schönes Ding: Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde.

In der Seitenansicht beeindrucken die perfekten Proportionen. So müssen Limousinen heute aussehen. Tun sie übrigens auch, denn mit dem kurzen, knackigen Heck, der langen Schnauze und dem elegant gewölbten Greenhouse erinnert die Silhouette doch ein wenig an den BMW 3er und Lexus IS. Besonders schick und durchaus eigenständig: Giulias feiner Knackarsch mit reichlich Power-Optik. Neben den Rückleuchten mit fescher LED-Grafik fällt vor allem das diffusorartige Design der unteren Heckschürze auf, aus der mächtige vier Endrohre lugen.

BMW M3 und Mercedes C 63 AMG können einpacken

Und diese Rohre dürften einen gewiss hochgradig emotionalen Klang in die Umwelt entlassen, denn immerhin wurde der Dreiliter-Sechszylinder von Ferrari entwickelt. Die haben den Aluminium-Benziner dank doppelter Turboaufladung unglaubliche 510 PS stark gemacht. BMW M3 und Mercedes C 63 AMG haben da ganz klar das Nachsehen. Und diese Leistung trifft auf ein erstaunlich niedriges Gewicht. Steckte im fraglos schicken 159 eine elend schwere Plattform, soll die Giulia trotz der großen Maschine im Bug nur 1,5 Tonnen wiegen. Wie auch andere Hersteller, so setzt Alfa auf Carbon und Alu. Neben dem Motor sind auch Türen und Aufhängung aus dem Leichtmetall. Dach, Motorhaube und Antriebswelle sind sogar aus noch leichterem Carbon. Das Ganze ist laut Alfa zudem perfekt ausbalanciert, denn die Achslastverteilung wird mit 50:50 angegeben.

Die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde imponiert mit einem knackigen Heck.
Die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde imponiert mit einem knackigen Heck.

Ein PS hat also nur noch drei Kilo Fahrzeuggewicht zu bewegen. Die Sprintzeit soll entsprechend bei 3,9 Sekunden liegen. Der Kunde hat übrigens die Wahl zwischen einer manuellen Schaltung und einer neunstufigen Automatik, ebenso wie die Wahl zwischen einem Allrad- und einem Heckantrieb. Die Höchstgeschwindigkeit wird wohl offiziell auf 250 km/h limitiert, doch wird Alfa sehr wahrscheinlich eine optionale Anhebung auf 280 oder gar 300 km/h anbieten, wie es bei anderen Mitbewerbern üblich ist.

Mit Fahrspaß-Garantie

Nicht nur längs-, sondern auch querdynamisch dürfte die Giulia großes Kino bieten und vermutlich mit den ganz Großen der Fahrspaß-Szene mithalten können. Die vordere Aufhängung bietet eine Doppelquerlenker-Konstruktion, hinten kommt eine Multilink-Variante zum Einsatz. Außerdem verspricht Alfa eine besonders direkte Lenkung. Hinzu kommen Karbon-Keramik-Bremsen im XXL-Format, die für eine exzellente Negativbeschleunigung sorgen sollten. Der Fahrer kann per Knopfdruck übrigens zwischen verschiedenen Setups wählen. Hier gibt es die Fahrmodi Effizienz, Natural, Dynamic und Race.

Alfa präsentierte die neue Giulia erstmalig in Mailand im frisch eröffneten Alfa-Museum.
Alfa präsentierte die neue Giulia erstmalig in Mailand im frisch eröffneten Alfa-Museum.

Die Giulia präsentiert sich zunächst in ihrer leistungstechnisch radikalsten Ausprägung, die sich wohl kostentechnisch jenseits der 80.000 Euro bewegen dürfte. Doch hat Alfa in Hinblick auf die Stückzahlen ehrgeizige Ziele. In den kommenden drei Jahren will man 400.000 Giulias absetzen, was allerdings nur mit Allerweltsmotoren möglich sein wird. Immerhin kann der Fiat-Konzern davon eine große Bandbreite bieten. Hier gibt es kleine Vierzylinder-Benziner mit 1,4 bis 1,8 Litern Hubraum sowie kleinere Vierzylinder- und auch einen großen Sechszylinder-Diesel. Das Leistungsspektrum der zivileren Varianten dürfte sich vermutlich fein abgestuft zwischen 100 und 350 PS bewegen. Gut möglich, dass in der Giulia bereits ein paar neue Motoren zum Einsatz kommen. Die Kraft wird standardmäßig an die Hinterachse geleitet, Allrad wird optional sein.

Einen Blick in den Innenraum haben die Italiener noch nicht gegönnt, doch versprechen sie einen aufgeräumten Stil mit wenigen Schaltern und Knöpfen und ein auf den Fahrer hin zugerichtetes Cockpit. In Hinblick auf die Infotainment-Navi-Technik wird man sich am Wettbewerb messen müssen. Wie bei dieser wird auch die Giulia in der Mittelkonsole über einen Dreh-Rückstellknopf als zentrales Bedienelement verfügen. Wie die Giulia ausstaffiert sein wird, welche Motoren es geben wird und wieviel man für diese italienische Schönheit mindestens investieren muss, wird Alfa Romeo erst auf der IAA im September 2015 verraten.

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(Bildmaterial: Alfa Romeo)


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