Autokinos: Filme durch die Windschutzscheibe gucken

Warum wir kaum noch ins Kino fahren
Autokino früher und heute
Autokino früher und heute
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 05.12.2018

Ein Kinobesuch ist noch immer etwas Besonderes. Für nur einen Monatslohn kann man da mittelmäßige Filme auf Großbildleinwand sehen. Mit 300 wildfremden Menschen, die alle etwas essen. Und kauen. Und husten. Echter Filmgenuss! Wäre doch wunderbar, wenn man auch im Kino nicht mehr mit Fremden interagieren müsste. Dafür könnte man natürlich zu Hause bleiben und einfach den Fernseher anschalten. Oder das Smartphone. Oder wahrscheinlich den Kühlschrank. Oder man könnte auf einen riesigen Parkplatz fahren und mit 300 anderen Autofahrern einen Film auf einer riesigen Leinwand ansehen. Das Autokino erlebte in den Fünfziger- und Sechzigerjahren seine Hochzeit. Heute ist es eher eine Touristenattraktion und eine Kuriosität. Warum waren Autokinos so erfolgreich, warum gibt es sie kaum noch, und wo findet man sie heute noch?

Was ist Ihr Auto wert? Wir sagen es Ihnen.

Autokinos gibt es fast, seit es Autos gibt

Die ersten Autokinos wurden schon in den frühen Zwanzigerjahren eröffnet. Ein großes Laken, aufgespannt zwischen zwei Bäumen, hielt als Leinwand her, und ein Projektor für die Heimanwendung war früher genug, um Kinogänger / -fahrer zu beeindrucken. Der Fernseher hatte noch in kaum einem Haushalt einen festen Platz und ein Kinobesuch war etwas Besonderes. Um laute Kinder und unhöfliche Zeitgenossen zu vermeiden, wurde das Freiluftkino weiterentwickelt. Tatsächlich wurden einige der ersten Autokinos genau damit beworben: Hier können Ihre Kinder so laut sein, wie sie wollen. Durch die geschlossene Autotür sind sie das Problem der Eltern, nicht der anderen Kinobesucher. Ein Erfolgsrezept war geboren.

Das Autokino als Symbol der amerikanischen Lebensweise

Der Siegeszug der Autokinos, zumindest jenseits des Atlantiks, hielt bis in die Sechzigerjahre an. Fast-Food-Restaurants auf dem Gelände verkauften Snacks und Getränke. Jeder Platz hatte einen eigenen Lautsprecher, den man in die Autotür hängen konnte. So konnte der Ton übertragen werden, ohne die Anwohner zu stören. Und wenn ein Paar während des Films das Bedürfnis überkam, ein wenig ruhige Zeit zu zweit zu verbringen, konnte man den Lautsprecher einfach abschalten.

Später wurden FM-Transmitter aufgestellt, über die man den Ton direkt mit dem Autoradio empfangen konnte. Bei Regenwetter konnte das Wasser auf der Windschutzscheibe zwar die Erfahrung ruinieren, aber Autokinos sind im kulturellen Erbe der Amerikaner bis heute stark verankert. In Filmen, Comics und Büchern werden sie immer wieder beschrieben – als Ort, an dem sich Menschen finden und verlieren. Alles, ohne die Sicherheit des eigenen Autos verlassen zu müssen.

Das Autokino wurde Opfer der Ölkrise

Wie so vieles andere wurde auch das Autokino letzten Endes Opfer der Ölkrise in den Siebzigerjahren. Nicht nur, weil Öl teurer wurde und die Menschen weniger mit dem Auto fuhren. Sondern auch, weil die Einführung der Sommerzeit bedeutete, dass die Vorstellungen entweder später stattfinden mussten oder durch die tiefstehende Sonne behindert wurden.

Die Beliebtheit der Autokinos ging dramatisch zurück und die meisten Etablissements mussten schließen. Und auch, wenn sich das Filmerlebnis im Auto seit den Neunzigern wieder etwas erholt hat, stellt die Umstellung auf digitale Projektion für viele Betreiber ein Problem dar. Projektoren für den Außenbetrieb müssen mit besonders hellen Birnen ausgestattet sein, die wiederum besonders gekühlt werden müssen. Das ist teuer und lohnt sich für die meisten Autokinos, besonders in Europa, nicht.

Autokinos sind heute kaum noch rentabel

Trotzdem gibt es auch in Deutschland ein paar Autokinos, die sich bis heute gehalten haben oder erst in den Neunzigerjahren eröffnet wurden. Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es auch in Ihrer Nähe einen Parkplatz mit Leinwand. Das Beste: Die meisten haben auch im Winter geöffnet. Immerhin sitzt man immer noch im trockenen, warmen Auto.


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