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08.11.2017

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Quo vadis, Tesla?

Die Probleme bei Tesla reißen nicht ab
Wie geht es weiter für Tesla?
Immer wieder gibt es Probleme in Tesla-Fabriken. Hier das Werk in Tiblurg. Shutterstock.
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 08.11.2017

Im Elektroauto könnte die Zukunft der individuellen Mobilität liegen. Kaum eine Firma hat mehr zu dieser Entwicklung beigetragen als Tesla. Doch mittlerweile kommen fast wöchentlich neue Probleme ans Tageslicht, die Tesla, und damit vielleicht sogar das Elektroauto an sich, zu einer Kuriosität der Geschichte machen könnten. Verschiedene Quellen berichten von erschreckenden Arbeitsbedingungen, rassistischen Anfeindungen unter den Fabrikarbeitern, Qualitätsmängeln beim Model 3 und anderen Problemen, die eine Firma mit mehr als 30.000 Mitarbeitern eigentlich nicht haben dürfte. PKW.de trägt für Sie die wichtigsten Berichte zusammen.

Tesla und die Produktionshölle

Nach den Modellen S und X, die eher Technologiedemonstratoren als echte Massenautos sind, sollte das Model 3 nun endlich Teslas in die Auffahrten der Mittelklasse bringen. Dafür hatte man sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Schon 2018 wollte man ganze 10.000 Exemplare des Model 3 pro Woche produzieren. Um dieses Ziel umzusetzen, lieh sich Tesla von den Sponsoren eine große Menge Geld und begann, in der Wüste des US-Bundesstaats Nevada, eine Gigafactory zu bauen, die allerdings erst 2020 voll betriebsfähig sein soll. Kosten: geplante 5 Milliarden Dollar. Bis dieses Großprojekt fertig wird, findet die Produktion des Model 3 weiter im ehemaligen Toyota-Werk in Fremont statt. Das Problem: Die Produktionsstraße, auf der das Volkselektroauto hergestellt wird, weist klaffende Lücken auf. Ehemalige Angestellte berichten von Fabrikarbeitern, die einzelne Teile in Handarbeit schleifen. Das Produktionsziel von 5000 Model 3 pro Woche, das Ende dieses Jahres erreicht sein sollte, ist mittlerweile in weite Ferne gerückt und viele der mehr als 400.000 Vorbestellungen wurden mittlerweile zurückgezogen. CEO Elon Musk selbst rät seinen Kunden unterdessen via Twitter, sie sollten „das Schlimmste erwarten“.

So soll die Gigafactory aussehen, wenn sie fertig ist.
So soll die Gigafactory aussehen, wenn sie fertig ist.

Tesla Model 3: Mangelndes Qualitätsmanagement beim wichtigsten Produkt

Anfang Oktober waren laut The Verge erst 220 Exemplare des Model 3 an Kunden ausgeliefert. Von Hand gebaute Autos sollten eigentlich den höchsten Qualitätsstandards entsprechen, aber leider ist auch das nicht der Fall. Im Gegenteil scheinen überdurchschnittlich viele Kunden die Qualität ihrer Fahrzeuge zu bemängeln. Am häufigsten wird über Probleme mit den Batterien und über knarzende Innenraumverkleidungen berichtet. Genaue Zahlen zu Rückläufern und Beschwerden gibt es nicht, aber viele Kundenberichte erwecken den Eindruck eines Vorserienautos. Bei einem Produkt, das mit einem BMW 3er oder Audi A4 konkurrieren soll, kann sich kein Autobauer solche Patzer leisten. Natürlich muss man die Frage nach der Fairness dieser Berichte stellen: Kaum ein Auto der letzten Jahrzehnte rief einen Hype hervor wie das Model 3 und die Presse untersucht die wenigen Fahrzeuge besonders akribisch. Trotzdem: Bei einem Flaggschiff dürfen solche Mängel einfach nicht auftreten.

Gewerkschaftsangst passt nicht ins Image

Die Schere zwischen dem Management und den Fabrikarbeitern zeigt sich bei Tesla aber nicht nur in der Planung der Produktionslinien. Das Model 3 geht momentan durch die „Produktionshölle“, wie Musk den aktuellen Zustand in der Fabrik selbst beschrieb. Für die Arbeiter bedeutet das den Verzicht auf Pausen, massive Überstunden, Wochenendarbeit und immer wieder auch schwere Arbeitsunfälle, die offenbar eine Folge der Ausrichtung auf hohe Produktionszahlen sind. Einige Mitarbeiter planten, im Werk in Fremont eine Gewerkschaft zu gründen, um etwas gegen die Manager in der Hand zu haben und die Fabrik notfalls bestreiken zu können. Nach der Entlassung Hunderter Mitarbeiter im Oktober wurden Berichte laut, nach denen vor allem gewerkschaftsnahe Angestellte von der Kündigungswelle betroffen waren. Die Leistungsbeurteilungen, die als Kündigungsgrundlage genannt wurden, habe es laut CNBC nicht gegeben. Die größte amerikanische Automobilgewerkschaft UAW reichte kurz darauf Klage bei der amerikanischen Arbeitnehmerbehörde ein. Wir halten Sie hierzu auf dem Laufenden.

Teslas Zukunft entscheidet sich mit dem Model 3

Das Model 3 wurde auf eine spektakulären Veranstaltung an die ersten Kunden übergeben. Die meisten Vorbesteller werden wohl bis 2018 auf ihr Fahrzeug warten müssen.
Das Model 3 wurde auf eine spektakulären Veranstaltung an die ersten Kunden übergeben. Die meisten Vorbesteller werden wohl bis 2018 auf ihr Fahrzeug warten müssen.

2018 wird das Jahr, in dem sich die Zukunft Teslas, und damit vielleicht auch die des Elektroautos, entscheidet. Besonders das Model 3 wurde immer wieder als „Make or Brake“-Produkt bezeichnet, das die Firma entweder auf lange Sicht am Markt etabliert oder sie in den Konkurs treibt. Mitte 2017 war Tesla für einen kurzen Moment die wertvollste Automobilfirma der USA, noch vor Chrysler und General Motors. Allerdings beläuft sich der finanzielle Verlust der Kalifornier allein im dritten Quartal 2017 auf 619 Millionen Dollar. Tesla muss schwarze Zahlen schreiben, sonst sieht es dunkel aus.

(Bildmaterial: © Shutterstock, Tesla)


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