Shelby-Signatur im Cockpit einer Cobra.
Die Cobra trägt Shelbys Handschrift nicht nur im Cockpit.Aimee M Lee / Shutterstock.com

Caroll Shelby – Leidenschaft für Maschinen

Wenige Menschen beeinflussten die Automobilbranche so stark wie Caroll Shelby

Autos sind so fest in unserem Alltag verwurzelt, dass sich um sie eine Kultur gebildet hat, die weit über den Transport von Personen hinausgeht. Das Auto ist gleichzeitig Kunstobjekt und Familienmitglied, Statussymbol und Zeichen der Freiheit. Trotzdem ist jedes Auto nur so gut wie die Menschen, die hinter seiner Entwicklung und Konstruktion stehen. Jedes noch so kleine Detail wird von einem Team von Konstrukteuren mehrmals überarbeitet, bis es genau an der richtigen Stelle sitzt. In vielen modernen Autos steckt die Entwicklungsarbeit von mehreren hundert Mitarbeitern. Da wundert es nicht, dass die Namen dieser Menschen in keinem Prospekt auftauchen. Seltener kommt es vor, dass sich ein Konstrukteur mit einem Fahrzeug unsterblich macht. Einer dieser Menschen ist Caroll Shelby, der als Rennfahrer erfolgreich und als Konstrukteur eine Legende wurde.

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von Jonas Futschik, Redakteur*in bei PKW.de 11.04.2017

Caroll Shelbys lebenslange Krankheit

Die Geschichte von Caroll Shelby könnte kaum unwahrscheinlicher sein. Ein angeborener Herzfehler fesselte den gebürtigen Texaner bis zu seinem 14. Lebensjahr ans Bett. Trotzdem meldete er sich zum Anfang des Zweiten Weltkrieges freiwillig als Testpilot und Navigator zur Air Force. Nach eigenen Angaben entwickelte er hier einen Hang zur Perfektion und die Leidenschaft für Maschinen. Nach dem Krieg sah es zunächst so aus, als würde Caroll Shelby ein ganz normales Leben leben: Als Geflügelfarmer wollte er seinen Lebensunterhalt bestreiten. Aber der Ruf der Geschwindigkeit lockte ihn immer wieder auf die Rennstrecke.

Motorsportkarriere und die Geburt der Cobra

Der Grundstein seines größten Erbes wurde bereits in den frühen Tagen von Shelbys Rennfahrerkarriere gelegt: Ein kleines, britisches Auto mit einem V8-Motor soll die Inspiration für die Shelby Cobra gewesen sein. Shelbys Talent als Rennfahrer machte Aston Martin schnell auf den jungen Texaner aufmerksam. In den frühen Tagen der Formel 1 kämpfte er im Fahrerfeld der jungen Rennserie um Punkte. Der Höhepunkt seiner Rennfahrerkarriere war der Sieg der 24 Stunden von Les Mans, den er zusammen mit Roy Salvadori einfahren konnte. Aber seine Motorsportkarriere sollte schon früh wieder enden.

Herzpillen im Rennwagen

Shelbys Herzprobleme, zusammen mit einem Aufmerksamkeitsdefizit, sorgten dafür, dass die Rundenzeiten, die er für Aston Martin fahren konnte, oft hinter denen seiner Kollegen zurückblieben. Um ein Rennen zu überstehen, waren bis zu 8 Nitroglyzerinpillen nötig, die einerseits Shelby das Leben retteten, durch ihre starken und schmerzhaften Nebenwirkungen aber andererseits im Motorsport nichts zu suchen haben. Nach einem besonders anspruchsvollen Rennen in Laguna Seca fiel die Entscheidung, Autos zu bauen, anstatt sie zu fahren. Die Shelby Cobra war letzten Endes ein glücklicher Zufall: Nach einer gescheiterten Zusammenarbeit mit Corvette sollte Shelby das Auto bauen, dass die Corvette bezwingen kann. AC Motors aus England erklärte sich bereit, das Chassis des AC Ace bereitzustellen, wenn ein entsprechender Motor zur Verfügung stünde. Letzten Endes wurde man bei Ford fündig. Der 4,2 Liter V8 war wie gemacht für den winzigen britischen Sportwagen.

Kleine Cobra, große Wirkung

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Das Ergebnis war ein kleines, leichtes Auto, wie es in Amerika in dieser Zeit kaum zu finden war. Amerikanische Autos der Sechzigerjahre wurden immer größer und größer, die Cobra galt also als Gegenentwurf zur amerikanischen Megalomanie. Trotzdem konnte keine Corvette mit dem neuen Sportwagen mithalten. Die Zusammenarbeit mit Ford sollte noch einige Mustangs hervorbringen, die von Shelby modifiziert und als begehrte Sondereditionen verkauft wurden.

Caroll Shelby am Steuer, auch im Alter

Shelbys Gesundheit verschlechterte sich im Laufe der Zeit dramatisch. Trotzdem war er bis ans Ende seines Lebens aktiv. Selbst eine Herztransplantation im Jahr 1991 konnte ihn nicht davon abhalten, schon ein Jahr später die Dodge Viper bei den Indianapolis 500 der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Caroll Shelby starb im Mai 2012 im Alter von 89 Jahren. Er hinterlässt drei Kinder und eines der wichtigsten Fahrzeuge der Automobilgeschichte.

(Bildmaterial: ©Shutterstock)


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