Deutsche Automarken: Was Deutschland bewegt

Warum will alle Welt fahren wie die Deutschen?
Die Wurzeln des VW-Konzerns
Warum ist der Name Volkswagen ein Synonym für die deutsche Autoindustrie? PKW.de hat sich durch die Archive gegraben. Volkswagen Media
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Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 03.08.2018

Sein Auto ist des Deutschen ganzer Stolz. Noch vor dem Schäferhund und dem Bier steht Deutschland vor allem für gute, zuverlässige Autos. Nicht umsonst sind Audi, Mercedes und BMW auf der ganzen Welt beliebt, und die Volkswagen-Gruppe ist mit einigem Abstand der größte Automobilkonzern der Welt. Woher kommt diese Vormachtstellung, was fasziniert die Welt an deutschen Autos und wie lange können deutsche Automarken ihre Führungsposition noch halten? Ein Erklärungsversuch von PKW.de.

Deutsche Automarken und deutsche Geschichte

Der Volkswagen-Konzern war schon immer ein Beiwort für deutsche Automarken, und zwar nicht erst seit den Fünfzigerjahren. Denn der sympathische Autobauer, der heute so niedliche Autos wie den Polo baut, ist ein Relikt einer dunklen Epoche: Nur direkte Finanzierungshilfen durch die Naziregierung machten die günstige Produktion des Käfer-Vorläufers namens „KdF-Wagen“ erst möglich.

Deutsche klassiker, ganz ohne Schlager. Von PKW.de

Seine weitere Existenz verdankt Volkswagen dem britischen Offizier Ivan Hirst, der in den zurückgelassenen und schwer beschädigten Produktionsstätten in Wolfsburg noch Potenzial sah. Autobauer auf der ganzen Welt sahen die Ruinen der Fabriken und lehnten eine Übernahme der Anlage ab. Ivan Hirst gelang es trotzdem, die Produktion schon kurz nach Kriegsende wieder zu starten. Der Rest ist Geschichte. Volkswagen war sein schlechtes Image fürs Erste los, immerhin leitete zunächst ein Brite die Geschäfte, und Autos wurden dringend gebraucht, um den Wiederaufbau stemmen zu können. Der Käfer, der Bulli und viele andere Volkswagen-Fahrzeuge wurden nicht nur zu wichtigen Transportmitteln, sondern auch zu einem Symbol für Hoffnung und zu einem freundlichen, neuen Gesicht der deutschen Automarken.

Aufstieg einer Industrie

Alle deutschen Automarken legten in den Nachkriegsjahren kleine, günstige Autos auf, mit denen sich die Entwicklung neuer, aufwendigerer Modelle finanzieren ließ. Audi, Daimler und BMW hatten in den Kriegsjahren größtenteils an Flugmotoren gearbeitet, aber automotives Talent war nach wie vor vorhanden. Heute kann sich wohl niemand mehr vorstellen, dass BMW so etwas wie die Isetta der Fünfzigerjahre bauen könnte. Deutsche Automarken stehen heute für Luxus, Zuverlässigkeit und Ingenieurskunst. Als klarer Marktführer, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, ging aber Volkswagen aus den Nachkriegsjahren hervor.

Polo und Lamborghini vom selben Konzern

Dem Volkswagen-Konzern gehören heute nicht nur viele deutsche Automarken, sondern auch viele internationale Hersteller. Der Motor des Bugatti Chiron basiert auf dem Motor, der den Passat antreibt und der Lamborghini Huracán basiert auf dem Audi R8, der wiederum von Volkswagen-Ingenieuren entwickelt wurde. Bentley, Porsche, und Ducati gehören ebenfalls zur Volkswagen-Gruppe. Ein Autoimperium also, das eigentlich zu groß ist, um einfach so zusammenzufallen. Wäre da nicht das Problem, dass reiche Menschen immer gerne noch viel, viel reicher wären.

Deutsche Automarken in der Vertrauenskrise

Volkswagen steckt in der Krise. Nicht finanziell, die Gewinne steigen immer weiter. Das Problem liegt vielmehr in der Identität des Unternehmens, das die Geschicke der deutschen Automarken maßgeblich mitgestaltet. Das Image des sympathischen Autoherstellers von nebenan liegt in Trümmern. Nicht nur VW selbst, sondern fast alle deutsche Automarken schummelten bei Abgastests, experimentierten mit Affen und wurden dabei noch viel schneller viel reicher. Der Stolz der Deutschen, ihre Autos, werden misstrauisch betrachtet. Und die Konkurrenz schläft nicht. Amerikanische und asiatische Hersteller scheinen mittlerweile einen beeindruckenden Vorsprung in der Entwicklung alternativer Antriebe zu haben. Noch haben die deutschen Automarken einen gewissen Vertrauensbonus. Wie lange das noch bleibt, ist kaum absehbar. Sicher ist: Volkswagen, Mercedes, Audi und Co. müssen sich ranhalten, um nicht den Anschluss zu verlieren. Hoffentlich klappt das.


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