Das Goodwood Festival of Speed 2017 – Ein Dorf steht Kopf

Am exklusivsten, schnellsten, teuersten und verrücktesten – genau das ist Goodwood!
Eine Kombination aus sportlicher Linienführung und elegant-muskulösen Rundungen
PS-Wahnsinn in der englischen Countryside
frederick
Einleitung von Fredereick Petkovski, Redakteur bei PKW.de 10.07.2017

Der Sommer hat Einzug gehalten und die Festivalsaison ist mittlerweile in vollem Gange. Doch nicht nur Musikevents wie Rock am Ring & Co. locken die Besucherströme ins Freie. Das legendäre Goodwood Festival of Speed stellt die beschauliche englische Ortschaft Westhampnett in West Sussex alljährlich auf den Kopf und bietet mit nahezu allen Leckerbissen, die der Motorsport nur bieten kann, ein überaus kurioses Spektakel. Doch warum nun gerade Porsche in diesem Jahr wieder alles in den Schatten stellt, erfahren Sie in diesem kurzen Überblick von PKW.de.

Festival of Speed verwandelt 700-Seelen-Dorf in PS-Hauptstadt

Das idyllische Westhampnett scheint geradewegs aus dem Bilderbuch zu stammen. Kleine Straßen, verträumte Häuser und malerische grüne Hügel prägen das ländliche Bild des 700-Seelen-Örtchens. Doch an einem Wochenende im Sommer ist das sonst so beschauliche Dorf kaum noch wiederzuerkennen. Auf dem kleinen örtlichen Rennkurs, archetypisch durch Heuballen begrenzt, streiten kreischende Formel 1-Boliden, historische Oldtimer, Motorräder oder auch neueste Motorsportgranaten um die Bestzeit und die Gunst der Zuschauer. Jahr für Jahr lockt das Goodwood Festival of Speed rund 180.000 internationale Besucher in die englische Gemeinde West Sussex, um eine Portion frische Benzinluft zu tanken.

Ganz nach dem Motto „Alles erlaubt, außer Langeweile“ hat das Festival nicht nur für wahre „Petrolheads“, sondern für jeden, der sich nur ansatzweise für Motoren begeistern kann, etwas zu bieten. Neben absoluten Klassikern des Rennsports zeigen die Rennställe ihre aktuellen Boliden und Hersteller die neuesten Supercars. Kleine Stunt- und Showeinlagen sorgen dabei immer wieder für Jubelstürme bei der PS-hungrigen Audienz. Ein absolutes Highlight dürfte wohl der Auftritt von Formel 1-Stars, wie Valtteri Bottas, Lewis Hamilton oder Nico Rosberg, gewesen sein, die mit wilden Donut-Einlagen die Reifen ordentlich zum Qualmen und das Publikum zum Kochen brachten. Kritiker mögen hier zwar vergeblich nach dem tieferen Sinn suchen, können jedoch nicht den unglaublichen Spaß an der Sache verleugnen. Für einmalig groteske Momente sorgten diesmal die Rennläufe eines brutalen Dakar-Rally-Trucks aus dem Red-Bull-Team sowie eines eher gemächlichen original Londoner Taxis mit vollelektrischem Antrieb.

Selbst F1-Champ Nico Rosberg kehrte für das Fos kurzzeitig aus seinem Frühruhestand zurück.
Selbst F1-Champ Nico Rosberg kehrte für das Fos kurzzeitig aus seinem Frühruhestand zurück.
Mit 900 PS donnerte der Dakar-Kamaz in Goodwood über die Piste.
Mit 900 PS donnerte der Dakar-Kamaz in Goodwood über die Piste.

Unter den unzähligen anwesenden Traumwagen stechen auch immer wieder ganz besonders rare Einzelstücke oder Prototypen hervor. Neben einem Ferrari 250 GTO für fast 50 Millionen Euro lüfteten Audi, Porsche und Co. auch einige Geheimnisse der Konzerngeschichte und schickten gleich eine ganze Museumsausstellung zum Festival. Ein vorgeführter Audi Quattro RS02 mit Mittelmotor von 1986 wurde etwa heimlich konstruiert und schaffte es nie zur Serienfertigung.

Auf dem FoS feierte Ferrari 70-jähriges Jubiläum. Da durfte der legendäre 250 GTO natürlich nicht fehlen.
Auf dem FoS feierte Ferrari 70-jähriges Jubiläum. Da durfte der legendäre 250 GTO natürlich nicht fehlen.
Nach über 30 Jahren feierte Audis Rally-Prototyp endlich seine Rennpremiere.
Nach über 30 Jahren feierte Audis Rally-Prototyp endlich seine Rennpremiere.

Keine Super-, sondern Hypersportwagen

Gerade ein Klassement polarisiert beim „FoS“, so die Abkürzung der bekannten Veranstaltung, wie kein anderes. Denn insbesondere die Hypercars weckten das Interesse der Massen, da man die streng limitierten und nahezu unbezahlbaren Exemplare auf offener Straße so gut wie nie live zu Gesicht bekommt. Lamborghini, Koenigsegg oder Bugatti: Das Angebot für Instagrammer und Blogger war dabei durchaus reichhaltig. Teuerstes Stück dürfte hier jedoch ein eher dezent auftretender Bolide aus vergangenen Tagen gewesen sein. Der McLaren F1 von 1993 wird mit einem Wert von etwa 10 Millionen Euro beziffert und gilt weltweit bei jedem Luxussammler als heiß begehrt. Wie ein wahres Schnäppchen wirkt dagegen der brandneue Lamborghini Centenario, der mit rund 700 PS auf einen Wert von nur rund zwei Mio. Euro beziffert wird. Wer jetzt bereits mit dem Gedanken spielt, Leib und Leben für sein Traumauto zu verpfänden, für den gleich die schlechte Nachricht: Mit streng limitierten 40 Stück ist der Knüller zum 100. Geburtstag von Firmengründer Ferruccio Lamborghini natürlich schon restlos vergriffen.

Mit seiner dezenten Eleganz wirkt der zehn Millionen McLaren fast unscheinbar.
Mit seiner dezenten Eleganz wirkt der zehn Millionen McLaren fast unscheinbar.
Die jeweils 20 Roadster und Coupés des Jubiläumsmodells sind berets restlos vergriffen und sollen bis Ende 2017 ausgeliefert werden.
Die jeweils 20 Roadster und Coupés des Jubiläumsmodells sind berets restlos vergriffen und sollen bis Ende 2017 ausgeliefert werden.

Der stärkste Elfer aller Zeiten

Als hätte Porsche seine Konkurrenz in letzter Zeit, wie auch beim diesjährigen Le Man, nicht schon genug gedemütigt, warten die Zuffenhausener prompt mit dem nächsten Paukenschlag auf, der auch in Zukunft den ein oder anderen Kontrahenten auf Distanz halten dürfte. Pünktlich zum Festival of Speed präsentierte die Premiumschmiede mit dem neuen GT2 RS den stärksten 911er aller Zeiten. Zwar übernimmt der RS den 3,8-Biturbo-Motor aus dem Turbo S, der rund 580 PS leistet, doch größere Turbos und ein Zusatzkühlsystem, das den Ladeluftkühler mit Wasser besprüht, verbessern die Leistung bis auf unfassbare 700 PS. Besonders brutal, wenn man bedenkt, dass der neue GT2 RS dank Carbonelementen im selben Zug rund 200 Kilogramm abspeckt. Und so geht es im nur 1.470 Kg schweren Geschoss in unglaublichen 2,8 Sekunden von null auf hundert, bis mit knapp 340 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht wird.

(Bild-/Videomaterial: ©Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG., The Goodwood Estate Company Limited, Automobili Lamborghini S.p.A., AUDI AG.)


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