Das sind die wichtigsten Änderungen in der Formel 1

Wie sieht die Zukunft der Formel 1 aus?
Ferraris Formel 1-Auto für die Saison 2017
Ob wir solche Autos auch in den nächsten Jahren noch in der Formel 1 sehen? Ferrari
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 16.02.2018

Wer erinnert sich noch an Bernie Ecclestone? Der Brite, der seit den Siebzigerjahren die Formel 1 mit eiserner Hand nicht nur zu einer der beliebtesten Rennserien aller Zeiten, sondern auch zu einem milliardenschweren Business geformt hat, musste 2017 endgültig das Heft aus der Hand geben. Die Reaktionen auf Ecclestones Rücktritt waren zunächst gemischt: Wo die einen die Möglichkeit zur Erneuerung sahen, fürchteten die anderen um die Traditionen des Rennzirkus‘. Und besonders den Chefs der Traditionsteams wie der Scuderia Ferrari oder Mercedes AMG ist der Führungswechsel ein Dorn im Auge, denn ab 2020 ist eine Umverteilung der Preis- und Startgelder geplant. Wie geht es weiter mit der Formel 1?

Die Formel 1 gehört jetzt Liberty Media

Liberty Media heißt der neue Besitzer der Formel 1. Zu diesem Milliardenkonzern gehören unter anderem Unitymedia und der Shoppingsender QVC. Offenbar hat man also Erfahrung mit der Integration digitaler Angebote in bestehende Produkte. Die Formel 1 hatte die digitale Revolution bisher entweder verschlafen oder schlicht ignoriert und musste zuletzt rapide sinkende Zuschauerzahlen hinnehmen. Durch die Verlagerung verschiedener Angebote ins Internet soll jetzt eine jüngere Zielgruppe erschlossen werden, die mit den herkömmlichen Fernsehprogrammen und aufwendigen Rennwochenenden nicht mehr viel anfangen kann. Man will sich die Ideen der neu gegründeten Formel-E ausleihen und mit der Macht und vor allem dem Geld einer etablierten Rennserie neu interpretieren. Was bedeutet das im Detail?

Die Formel 1 verändert sich nach der Ecclestone-Ära

Die Formel 1 ist und war die Krönung der automotiven Schöpfung. Nirgendwo sonst wird so intensiv an neuen Materialien und Fertigungsmethoden gearbeitet. Das kostet Unsummen. Um also kleineren Teams eine bessere Chance zu verschaffen und wieder für mehr Wettbewerb zu sorgen, sollen zum einen Preisgelder zu Lasten der großen Teams umverteilt werden. Zum anderen sollen bestimmte Regeln gelockert oder gestrichen werden, denn das Regelwerk, an das sich Konstrukteure, Teams und Fahrer in der Formel 1 halten müssen, ist dicker und komplizierter als so manches Gesetzbuch. Außerdem soll Liberty Media planen, die Rennsaison auf bis zu 25 Rennen auszuweiten. Momentan erlaubt das Regelwerk maximal 21 Rennen. All das kann aber nicht sofort passieren, denn neben einem eher konservativen Rennzirkus hat Ecclestone seinen Nachfolgern auch noch ein paar Verpflichtungen vererbt: Die Verträge mit den Teams laufen noch bis mindestens 2020, einige sogar bis 2026. Wichtige Änderungen können erst danach vorgenommen werden.

Ferrari will die Formel 1 verlassen? Unwahrscheinlich

Natürlich hält sich die Begeisterung für die Erneuerung der Formel 1 bei vielen Teams und einigen Fans in Grenzen. Ferrari droht nicht zum ersten Mal mit dem Ausstieg aus der Rennserie. So wirklich ernst nehmen sollte man diese Drohung aber noch nicht, denn Fakt ist: Ferrari braucht die Formel 1. Die Italiener machen den Großteil ihres Gewinnes nicht mit dem Verkauf exotischer Sportwagen, sondern mit Fanartikeln. Eine Kappe für 25 Euro verkauft sich besser als ein Sportwagen für 250.000 Euro. Wer allerdings Kappen verkaufen will, muss in der Öffentlichkeit stehen, und dafür gibt es kaum eine bessere Gelegenheit als die Formel 1.

Und dann wäre da noch die Sache mit den Grid-Girls. Natürlich ist ein großer Teil des Publikums männlich, aber ob leicht bekleidete Damen und Motorsport wirklich zusammengehören müssen, ist zum Glück mittlerweile nicht mehr so klar wie noch vor vor einigen Jahren. Und wer weiß, vielleicht sorgt eine durchlässigere Hierarchie und weniger Vetternwirtschaft in der Formel 1 ja auch dafür, dass mehr Frauen den Weg in die Cockpits der ganz großen Boliden schaffen. Wie auch immer die Zukunft der Formel 1 aussieht, wenn wir Ferrari gegen spannendere Rennen und mehr Transparenz eintauschen müssten, würden wir sagen: Ciao!


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