Freistil bei Autonamen
Klein- und Großschreibung, Satz- und Sonderzeichen: Bei Autonamen gibt es keine Regeln.

Schreibt doch, was ihr wollt¡

autohersteller PFLEGEN orthographisches FREISTIL-chaos

Köln, 05.05.2015 – Marketing muss kreativ sein. Bei Autonamen können diese schöpferischen Umtriebe bisweilen allerdings auch eigenwillige Stilblüten provozieren. Mal ist es für die eine Automarke besonders wichtig, konsequent klein zu schreiben, während es in anderen Fällen KONSEQUENT GROSS sein muss. Mal kommen herabgesetzte Bindestriche zum Einsatz, mal freche Häkchen oben. Und dann ist da noch der inflationäre Gebrauch von Satz- oder Sonderzeichen. Sogar die Aussprache kann zwischen Modellen einer Marke willkürlich variieren. Oft werden dann bei einer Marke viele dieser verschiedenen Ansätze auch noch wild vermengt. Eine kleine Bestandsaufnahme.

mario
von Mario Hommen, Redakteur*in bei PKW.de 05.05.2015

Der Kreativ-Trend macht selbst vor einer einst so kreuzbraven Marke wie Opel nicht mehr halt. Früher hießen die Autos ganz strunzlangweilig Senator, Astra, Kadett. Die werden so geschrieben und auch so gesprochen, wie man es erwarten würde. Über Jahrzehnte gab es da keine Experimente. Doch Opel soll neuerdings hip sein, weshalb die neuen (und natürlich jugendlich frechen) Kleinwagenmodelle wie der Adam nicht einfach Adam, sondern ADAM heißen. Zudem soll man diesen Namen mit englischer Betonung und also ÄDÄM aussprechen. Dazu passend heißen die Ausstattungsvarianten GLAM, SLAM und JAM, die in Hipster-Kreisen allein vom Namen her Begeisterung auslösen müssen. Neuerdings soll auch der kommende Kleinstwagen Karl ebenfalls mit der Schreibweise KARL seine mangelnde physische Präsenz durch die neue KULTSCHREIBE kaschieren.

Sollte man Kleinwagen-Namen also besser groß schreiben? Von wegen. Bei Smart ist alles klein, nicht nur die Autos, sondern auch die Buchstaben. Hier werden konsequent sowohl die Marke als auch die Modelle ohne auch nur den Hauch einer Großbuchstabenambition geschrieben. smart fortwo, smart forfour, cabrio, electric drive, wie auch die Austattungen pure, prime, proxy oder edition #1. Doch halt: Die edition moscot wird editionMOSCOT geschrieben. So viel Individualität muss sein.

Mini mag’s groß und auch wieder nicht

Und Mini? Auch eine Kleinwagenmarke, die ebenfalls besonders hip sein will. Wohl deshalb wird hier auf der Mini.de-Seite alles groß geschrieben. Die Marke schreibt sich MINI, die Modelle S, SD, CABRIO, COUNTRYMAN, ROADSTER oder JOHN COOPER WORKS. Allerdings nur auf der Mini.de-Seite. Anders sieht es auf der Presseseite aus. Hier scheint man dudengläubiger zu ticken als in der Marketingabteilung. Die Marke wird Mini geschrieben, die Modelle Cabrio, Countryman, Roadster oder John Cooper Works. Geht doch.

Dass man sich intern nicht immer ganz einig zu sein scheint, zeigt sich auch auf der Website von Kia Deutschland. Hier findet man bereits auf der Startseite von Kia.de alle Schreibweisen bunt gemischt. An einer Stelle steht KIA SORENTO, der gleich darunter als Kia Sorento angepriesen wird. Richtig wild treibt es Kia oder KIA mit seinem kompakten Golf-Gegner, den man sowohl C’EED als auch c’eed oder C’eed geschrieben findet. Und den pro_c’eed gibt es auch als Pro_c’eed oder als Pro c’eed. Während Untermodelle wiederum mal pro_c’eed GT, mal c’eed_sw heißen können. Ob die da bei Kia (oder KIA) Regeln für haben?

VW und BMW: In jüngster Zeit inkonsequent

Es gibt aber auch ein paar Markenauftritte, bei denen sich eine ordnende Handschrift erkennen lässt, wie etwa bei BMW oder VW. Aber dann eben doch nur eigentlich, denn auch in diesen Fällen hat sich das Marketing-Kuddelmuddel bereits eingenistet: Bei BMW wird die Marke seit jeher in Großbuchstaben geschrieben. Immer und konsequent. Darüber hinaus sind die Baureihen überwiegend nach arabischen Ziffern sortiert, was eine Groß- oder Kleinschreibungsdifferenzierung unmöglich macht. Allerdings gibt es auch ein paar Baureihen mit einer Buchstaben-Zahlenkombination: Z4 oder X6 zum Beispiel, die eigentlich immer mit einem großen Buchstaben geschrieben werden. Eigentlich. Denn seit BMW auch elektrisch kann, können die eigentlichen Großbuchstaben auch klein sein, denn hier heißt es i3 oder i8. Aha!

Und VW? Hier gibt es eigentlich immer nur Namen mit einem großen Anfangsbuchstaben und einem kleingeschriebenen Rest. Golf, Passat, Tiguan. So einfach ist das. Doch auch hier brauchte es wohl einen Querschläger, einen Ausbrecher, ein freches Ausrufezeichen: den up!. Anders als bei Opel schreibt VW seinen Kleinsten also klein, ausgesprochen wird er aber ebenfalls englisch, also “ab”. Mit Ausrufezeichen übrigens. Das wirkt dann richtig up-gefahren.

Noch euphorischer als VW hat Hyundai jüngst seine Gold- und Silver-Sondermodelle noch mit dem Namenszusatz YES! geadelt. Möglicherweise waren hier die Marketingkreativen vom emotionsüberbordenden Netzjargon inspiriert. Sollte das Schule machen, könnten wir vielleicht in ein paar Jahren so coolen Modellnamen wie dem Toyota Avensis LOL!, dem Skoda Fabia OMFG! und oder dem Ford Mustang ROFL! begegnen.

Auch PKW.de macht sein Ding

Apropos cool: PKW.de befindet sich offensichtlich in guter Gesellschaft, denn eigentlich schreibt man ja Pkw mit kleinem k und kleinem w. Auch wir dürfen also machen, was wir wollen.


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