Lkws halten Deutschland am Laufen

Ein bisschen Verständnis für einen missverstandenen Beruf.
Brummis auf der Straße
Sie sind groß, träge und manchmal Gefährlich. Trotzdem sind die Brummis wichtig. Noch. Bild: Scania
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 30.01.2019

Autofahrer sind auf der Straße nicht unter sich. Sie müssen sich den begrenzten Raum mit Motorradfahrern und Fußgängern teilen. Und natürlich mit Lkws. Die Giganten haben leider einen ziemlich schlechten Ruf: Der Auspuff stinkt, man kann nicht an ihnen vorbeisehen und immer wenn es irgendwo einen Stau gibt, sind andere Verkehrsteilnehmer schnell mit Schuldzuweisungen bei der Hand: Lastwagen verstopfen die Straßen, schädigen den Straßenbelag und überhaupt war früher alles besser und Pferdekutschen sind die Zukunft. Dabei sind viele Lkw-Fahrer echte Helden. Ein Plädoyer für einen missverstandenen Berufszweig.

Zum Lkw gibt es kaum realistische Alternativen

Was ist Ihr Auto wert? Wir sagen es Ihnen

So romantisch der Schienenverkehr auch erscheinen mag: Güterzüge können bei weitem nicht den kompletten Frachtverkehr von der Straße nehmen, und auch für die letzten Kilometer vom Umschlagplatz zum Bestimmungsort muss alle Fracht auf einen Lkw umgeladen werden. Ob es uns gefällt oder nicht: Die Männer und Frauen „auf dem Bock“ halten Europa am Laufen. Nun mögen unbedarfte Autofahrer sagen: „Aber die haben ja einen leichten Job. Sitzen den ganzen Tag und fahren durch die Gegend.“. Das tun sie zwar tatsächlich, aber zum Job des Lkw-Fahrers gehört noch so viel mehr.

Wenn man mal darüber nachdenkt, ist Lkw-Fahrer eigentlich ein echter Drecksjob: Um Liefertermine einhalten zu können, wird da oft 60 oder mehr Stunden in der Woche gearbeitet. Für einen Stundenlohn von 10 bis 15 Euro. Dabei transportieren sie tonnenschwere Ladungen, die manchmal mehrere Hunderttausend Euro wert sind. Und das alles mit Maschinen, die bei falscher Bedienung eine echte Todesfalle für den Fahrer und alle anderen Verkehrsteilnehmer in der Umgebung darstellen können.

Nun könnte man sagen: „Aber Güter gehören auf die Schiene. Die alten Dampfloks sind viel schöner als Lkws“. Wäre natürlich eine tolle Sache. Allerdings lägen dann wirklich überall Schienen. Jedes Geschäft, jede Werkstatt und jeder Dienstleister bräuchte einen Anschluss ans Schienennetz. Die Idee von Güterstraßenbahnen wird zwar immer wieder diskutiert und funktioniert auf einigen kleineren Strecken sogar ziemlich gut, aber was wäre, wenn irgendwo mal einer dieser Minigüterzüge liegenbliebe? Nachfolgende Züge könnten nicht ausweichen, immerhin fahren sie auf Schienen. Eine halbe Stunde später ist die komplette Stadt lahmgelegt.

Lkw-Fahrer führen oft ein einsames Leben

Bis wir also all unsere Güter mit autonomen Drohnen durch die Luft transportieren können, sind wir wohl oder übel auf den Lkw angewiesen, damit wir auch in Zukunft Schuhe aus Italien und Elektronik aus Taiwan von einem polnischen Verkäufer über Nacht nach Ludwigshafen bestellen können. Die Fahrer und Fahrerinnen leben dafür ein Leben, das man eigentlich niemandem zumuten möchte: Zu Hause sind viele von ihnen nur an Wochenenden, darunter leiden Freundschaften und das Familienleben. Das Leben auf den Raststätten fördert die Bildung von sozialen Kontakten auch nicht wirklich. Und wenn die meisten Autofahrer dann auch noch ihre Vorurteile ganz offen ausleben, kann man schon verstehen, warum in Deutschland Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen.

das ist die Wohnung eines Lkw-Fahrers. Bild: Scania
das ist die Wohnung eines Lkw-Fahrers. Bild: Scania

Lkw-Fahrer und der Termindruck der modernen Wirtschaft

Wenn Sie also das nächste Mal hinter einem Lkw warten, der gerade einen anderen überholt, denken Sie daran: Wahrscheinlich geht es für den Fahrer nicht nur um 20 Minuten, sondern eventuell auch um 200 Euro, die er nicht bekommt, wenn er ein paar Minuten zu spät am Lieferort eintrifft. Das nennt sich just in time delivery und bedeutet genau das: Firmen sparen sich lieber die Lagerhaltung und „lagern“ ihre Waren auf der Straße, bis sie am Zielort gebraucht werden. Wenn der Liefertermin komplett unrealistisch ist, ist das das Problem des Fahrers. Ein bisschen Geduld und ein bisschen Rücksicht, von und für beide Seiten, hilft.


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