Geely übernimmt Lotus: Englisch wird Chinesisch

Bei Lotus wird sich einiges ändern. Hoffentlich zum Guten
Der Lotus Elise lebt.
Neben neuen SUVs und Elektroautos soll auch der Lotus Elise weiterproduziert werden. Lotus.
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 15.12.2017

Erinnern Sie sich noch an Lotus? Nein? Wir können es Ihnen kaum verdenken. Was einmal ein Autobauer war, der in einer Liga mit Aston Martin und Jaguar spielen konnte, ist in den letzten 20 Jahren fast vollständig in der Bedeutungslosigkeit versunken. Anders als so viele andere Autohersteller wollte Lotus aber einfach nicht sterben. Jetzt sagen Experten dem ehemaligen britischen Traditionsproduzenten eine goldene Zukunft voraus.

Lotus baut kleine Autos für eine kleine Zielgruppe

Elise, Exige und Evora sind nicht etwa die Mitglieder einer estnischen Girlband, sondern Modelle der Automarke Lotus. Keines dieser Autos war jemals für seinen Motor berühmt. Der kommt fast immer von Toyota, hat 6 Zylinder und wird von Lotus mit einem Kompressor ausgerüstet. Die Aggregate waren keine Sensationen, aber taten ihren Job. Die Verarbeitungsqualität der Autos aus dem britischen Norwich ließ zuletzt immer mehr zu wünschen übrig. Trotzdem hatten die Sportwagen von Lotus immer eine kleine, aber loyale Fangemeinde, die ihre Autos zwar liebte, aber in finanzieller Hinsicht nicht groß genug war, um die Marke über die nächsten Jahre zu retten. Mehrmals wäre es mit Lotus fast zu Ende gegangen, aber das soll jetzt der Vergangenheit angehören.

Geely, der Retter der europäischen Autobauer

Das chinesische Unternehmen Geely befindet sich seit einigen Jahren auf der größten und teuersten Shoppingtour aller Zeiten. Im Jahr 2010 stand schon Volvo auf der Einkaufsliste. Und offenbar hat die Übernahme dem schwedischen Hersteller gut getan, denn neben einer großzügigen Finanzspritze gab es auch einen Crashkurs in Sachen Innovation und Effizienz. Die Frischzellenkur zeigte Wirkung und heute ist Volvo eines der innovativsten Unternehmen der Autobranche. Zu den weiteren Geely-Marken zählt unter anderem auch die London Taxi Company, unter der die berühmten Taxis der britischen Hauptstadt verkauft werden. Und nun soll auch die Marke Lotus aufgemöbelt werden.

Viele Konzerne verderben den Sportwagen

Bei Lotus hat man einige Erfahrung mit Übernahmen durch andere, größere Unternehmen. Die britische Sportwagenfirma gehörte schon General Motors, ACBN, Proton und DRB-HICOM. Innerhalb der letzten 30 Jahre musste man also unter vier verschiedenen Konzernen arbeiten. Da wundert es kaum, dass die Produktivität zuletzt zu wünschen übrig ließ. Zum Glück hat Geely einen hervorragenden Ruf, wenn es darum geht, desolate Autobauer wieder auf den Damm zu bringen. Aber das scheint den Chinesen nicht zu reichen: Laut Geschäftsführer An Chong Hui stand Lotus „einmal auf einer Ebene mit Ferrari und Porsche. Da müssen wir wieder hin.“ Natürlich spielten Porsche und Ferrari immer in ganz anderen Ligen als der kleine britische Autobauer. Ob Geelys Aussage also von Unwissen oder großen Ambitionen zeugt, lässt sich kaum sagen. Sicher ist: Wir freuen uns auf geplante Elektroautos und ein SUV von Lotus.


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