Also ich würde ihn nehmen!

Test: Opel Corsa OPC
Opel Corsa OPC.
In der OPC-Version hat der neue Opel Corsa eine gehobene Will-haben-Aura.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 21.08.2015

Köln, 21.08.2015 – Er ist wieder da! Kurvengieriger, größer und luxuriöser denn je. Der Opel Corsa OPC (2015) – ein PS-Kracher, der viele begehrenswerte Innovationen des Opel-Konzerns in sich vereint und als Sahnehäubchen mit dem krassen Fahrspaß-Niveau der Sub-Marke OPC lockt. Wermutstropfen: Einige Corsa-Tugenden bleiben aufgrund des OPCschen Vorwärtsstrebens auf der Strecke, wie sich in unserem Test zeigte. Doch das ist, zumindest weitestgehend, gewollt.

Im Test: Der über vier Meter langen Opel Corsa OPC ist nur als Dreitürer erhältlich.
Im Test: Der über vier Meter langen Opel Corsa OPC ist nur als Dreitürer erhältlich.

Kloppo hat es uns in Werbespots ja wie ein Trainings-Mantra eingebläut, dass bei Opel nunmehr 1. Liga statt Kreisklasse angesagt ist. Die jüngste Premium-Offensive hat auch den Corsa mit voller Breitseite erwischt. Und so ist aus dem eigentlich unscheinbaren Allerwelts-Kleinwagen in der aufgebrezelten OPC-Version ein schicker und edel ausgestatteter Kopfverdreher geworden. Die optionalen 18-Zoll-Räder, das schillernde OPC-Blau, der scharfe Blick aus Bi-Xenon-Leuchten und der markante LED-Lidstrich verleihen ihm eine imposante Hingucker-Aura. Große Luftöffnungen an der Front oder die zwei dicken Abgasrohre am Heck vermitteln zudem optisch in eindrucksvoller Weise sein gehobenes Power-Niveau. Zumindest dem männlichen Teil der Bevölkerung scheint dieser Corsa offensichtlich ins Auge zu fallen. “Also ich würde ihn nehmen“ (Zitat: Jürgen Klopp), scheint es einigen beim Anblick des scharfen Rüsselsheimers durch den Kopf zu schwirren.

Die Front des Opel Corsa OPC (2015) mit scharfem Blick, geschlitzter Motorhaube und großen Luftöffnungen wirkt durchgestylt.
Die Front des Opel Corsa OPC (2015) mit scharfem Blick, geschlitzter Motorhaube und großen Luftöffnungen wirkt durchgestylt.

Einerseits Krawallo, ist der Corsa OPC andererseits auch Alltagsauto. Fünf Sitze, gute Platzverhältnisse, klassenübliche Variabilität – und doch kann man meckern: Der OPC ist dreitürig. Immer. Enge Längsparklücken oder das Festschnallen von Kindern im Fond sorgen so für Verdruss. Schulterblick beim Abbiegen? Kann man sich angesichts dieser gewaltigen C-Säule fast schenken. Und dann lässt sich der eigentlich als Stadtauto empfehlenswerte Corsa in dieser Highend-Version manövrieren wie ein Öltanker. Der clevere Mix aus Rückfahrkamera (295 Euro) und Parkpiepser (355 Euro) erlaubt dem Fahrer immerhin einen guten Überblick beim Rangieren. Ein automatischer Parkassistent, der bei den zivileren Corsa-Modellen das Lenken in die Parklücke übernehmen kann, wird für den OPC hingegen nicht angeboten.

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Und dann ist da noch das Gehoppel. Wer Angst hat, ob der Fahrwerkshärte im Alter unter Rückenproblemen zu leiden, sitzt eindeutig im falschen Auto. Der Corsa OPC ist ein Drive-fast-die-young-Mobil, also ein Auto, in dem der Fahrer langfristige Aspekte der Gesundheit mit einem achselzuckenden, verächtlichem “Häh!?” zu kommentieren hat. Basta.

Klimaautomatik, Sieben-Zoll-Display, feine Materialien: Der Opel Corsa OPC beeindruckte im Test mit seiner schicken Premium-Ausstattung.
Klimaautomatik, Sieben-Zoll-Display, feine Materialien: Der Opel Corsa OPC beeindruckte im Test mit seiner schicken Premium-Ausstattung.

Diese Härte steht in gewissem Kontrast zum Premium-Ambiente, das man im Corsa OPC sehen und fühlen kann. Soft- und Hochglanzoberflächen auf dem Armaturenbrett und feiner Chromzierrat sorgen hier für einen Schick, der bis vor wenigen Jahren im Kleinwagen-Segment undenkbar war. Zudem präsentiert sich der Arbeitsplatz unseres Testexemplars trotz der vielen Funktionen herrlich aufgeräumt. Angesichts des großen Displays in der Mittelkonsole würde man eigentlich ein teures Super-Navi erwarten, doch ist ein digitaler Wegweiser werksseitig nicht verfügbar. Will man mit GPS-Technik auf Kurs gehalten werden, wird über den Siebenzoll-Bildschirm eine auf dem Smartphone installierte Bringo-App dargestellt und bedient. IntelliLink heißt diese durchaus smarte Lösung, die allerdings voraussetzt, dass man für Navi und einige Multimedia-Funktionen sein Smartphone mit entsprechenden Apps bestückt, die dann über das Display in der Mittelkonsole dargestellt werden. Die Vorteile: Die Onboard-Technik gibt’s zum kleinen Preis (300 Euro). Außerdem ist das Navi technisch immer nur so alt wie das gekoppelte Smartphone.

Das LED-Tagfahrlicht wertet den Opel Corsa OPC zusätzlich auf. Wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer sind sie Teil der OPC-Serienausstattung.
Das LED-Tagfahrlicht wertet den Opel Corsa OPC zusätzlich auf. Wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer sind sie Teil der OPC-Serienausstattung.

Wie das IntelliLink-System sind aber auch andere Details von, nun ja, kostenoptimierter Natur. An strategisch nicht ganz so wichtigen Stellen findet sich in bester Corsa-Tradition eben auch recht einfaches Hartplastik im Innenraum. Bei der Verarbeitung und den Spaltmaßen zeigen sich ebenfalls verzeihliche Schwächen. Wer konsequent Premium sucht, wird bei einem Audi A1 in jedem Fall mehr Befriedigung finden. Wer einen genauen Blick riskiert, findet eben auch noch Opel-typische Preiswert-Lösungen. Das zeigt sich zum Beispiel beim Oldschool-Zündschloss, welches gefühlt schon vor 30 Jahren so ausgesehen haben muss.

Liegt gut zur Hand, flutscht gut durch die Gassen: Das Getriebe des Opel Corsa OPC konnte im Test überzeugen.
Liegt gut zur Hand, flutscht gut durch die Gassen: Das Getriebe des Opel Corsa OPC konnte im Test überzeugen.

Ein Dreh an selbigem, und der 1,6-Liter-Turbobenziner meldet sich leicht dröhnig, doch eigentlich eher unspektakulär zu Wort. Opel hat hier kein vielschichtiges, variantenreiches Soundengineering betrieben, sondern dem Vierzylinder lediglich einen bassigen Grundton erlaubt, der beim Runterschalten gelegentlich von einem Sprotzeln untermalt werden kann. Das klingt, allerdings nicht armhärchenaufstellend.

 

Auf geht’s. Der Schalthebel liegt gut zur Hand und lässt sich mit kurzen Wegen knackig und nicht mehr ganz so hakelig wie früher durch die Gassen der sechs Vorwärtsgänge scheuchen. Der Motor nimmt spontan und gierig Gas an, die Kupplung lässt sich leicht und fein dosieren. Gleich vom Start weg fühlt sich der starke Corsa in seinem Vorwärtstreben angenehm erwachsen an. Beim Cruisen durch die Stadt eignet sich der OPC bestens für eine niedertourige, schaltfaule Fahrweises. Soll beim Husky-Rudel allerdings richtig die Post abgehen, sind ein paar tausend Drehzahlen von Vorteil. Ein nennenswertes Turboloch haben wir in unserem Test aber nicht gespürt. So weit, so manierlich.

Der 1,6-Liter-Turbobenziner des Opel Corsa OPC (2015) zeigte sich im Test laufruhig, drehfreudig und leider etwas durstig.
Der 1,6-Liter-Turbobenziner des Opel Corsa OPC (2015) zeigte sich im Test laufruhig, drehfreudig und leider etwas durstig.

Es darf und soll gebolzt werden. Und hier merkt man dem Corsa deutlich an, dass ihm das besonders liegt. Nur 6,8 Sekunden dauert der Sprint aus dem Stand, doch mehr Grinsen provozieren Links-Rechts-Kombinationen. Die etwas synthetische Lenkung reagiert fein, der Wagen lenkt spontan ein und folgt exakt der vorgegebenen Richtung. Zumal die bequemen und überraschend langstreckentauglichen Performance-Sitze von Recaro zusammen mit dem schön zur Hand liegenden und auf Wunsch sogar beheizbaren Sportlenkrad ein sehr gutes Gefühl von Kontrolle vermitteln.

 

In Kurven provoziert der OPC entsprechend den Wunsch, es herzhaft angehen zu lassen. Hilfreich sind dabei auch die nicht zu ruppig zupackenden Brembo-Stopper, die ein sehr gutes Gefühl von Kontrolle vermitteln. Ein wenig enttäuscht hat uns im Test allerdings das Opel-typische Lenkradzerren, welches sich gelegentlich beim Beschleunigen aus Kurven bemerkbar machte. Trotz des mechanischen Sperrdifferenzials an der Vorderachse. Es sind eben doch 245 Newtonmeter Drehmoment und 207 PS, die da sauber in souveränen Vortrieb umgesetzt werden wollen und nicht immer ganz werden. Eine Overboost-Funktion lässt übrigens kurzweilig das Drehmoment sogar auf 280 Newtonmeter anschwellen.

Den beiden Endrohren der Remus-Auspuffanlage entweicht ein bassiger, jedoch nicht wirklich emotionaler Klang.
Den beiden Endrohren der Remus-Auspuffanlage entweicht ein bassiger, jedoch nicht wirklich emotionaler Klang.

Wer einfach nur gefühllos auf die Tube drückt, könnte auch mal etwas genervt sein angesichts des gelegentlich etwas ungezügelten Scharrens der Vorderräder. Doch man kann, zumindest auf trockener Fahrbahn, auch gut dosieren und genau merken, welcher Lenkwinkel mit welcher Gasstellung noch harmoniert, und wann unharmonische Turbulenzen ins Spiel kommen. Der kleine OPC-Kracher ist eben nicht bis tief ins Mark feingeschliffen, sondern zeigt Charakter. Nach wenigen Kurven spürt man förmlich den Ruf der Nordschleife, die ja auch als Strecke beliebt ist, weil sie Charakter hat.

 

Und das ist auch ein ganz typisches OPC-Merkmal: Dieser Power-Corsa hat trotz aller Innovationen noch immer einen gewissen ruppigen Charme. Der neue Corsa OPC wurde nicht wie der VW Polo GTI bis auf das unterträglich Perfekte feingeschliffen, sondern verlangt nach einer gewissen hemdsärmeligen Fahrweise, bei der sich der wagemutige Fahrer immer weiter an die Grenzen des Fahrzeugs vortasten kann. Diese Grenzen liegen sogar noch etwas weiter hinten, wenn man das Performance-Paket (3.000 Euro) bestellt, welches dank der besagten Brembo-Bremsen und des Sperrdifferenzials an der Vorderachse der Grenzbereich-Gaudi noch mehr Würze verleiht.

Der Einstieg zum Fond des Opel Corsa OPC ist etwas beengt. Das Platz für die Fondgäste ist aber gut. Besonders gut: Die Recaro-Sitze vorne.
Der Einstieg zum Fond des Opel Corsa OPC ist etwas beengt. Das Platz für die Fondgäste ist aber gut. Besonders gut: Die Recaro-Sitze vorne.

Kann der Fahrer viel, kann auch der Corsa viel, bei dem sich das ESP übrigens in zwei Stufen deaktivieren lässt. Der Hasardeur wird ESP ganz ausschalten, der Vernunftmensch wählt lieber die Zwischenstufe. Egal wie: Der ambitionierte Kurvenritt auf engen Landstraßen wird dem Wagemutigen ganz sicher ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Wenngleich man auch merkt, dass eine breitere Spur und ein nicht ganz so hoher Karosserieaufbau eigentlich schöner wären. Recht souverän gibt sich der linksspurtaugliche Corsa auch auf der Autobahn, denn locker marschiert der OPC auf seine offiziell zugestandenen 230 km/h. Die Tachonadel kann auch deutlich darüber gehen. Und selbst dann liegt die Rüsselsheimer Rennsau erstaunlich ruhig und sicher auf der Straße. Hut ab!

 

Zwar kann man mit den Großen auf der linken Spur seine Spielchen treiben, ein Blick auf die Tankuhr mahnt jedoch zur Gelassenheit. Typisch Turbo, geht jenseits der 130 km/h das Saufen los und, typisch Opel, eben auch etwas ungezügelter als bei VW. Das können dann leicht mal 12 Liter werden, wenn man im Express-Modus unterwegs ist. Und so richtig sparsam ist der Motor selbst dann nicht, wenn man den 1,3-Tonner piano fährt. Mit 7,5 Litern wird der Normwert taxiert, den wir selbst bei zurückhaltender Weise und mit ausgeschalteter Klimaanlage noch um 10 Prozent überboten haben. Im Schnitt waren es dann 9,3 Liter. Der schon recht betagte VW Polo GTI gibt sich bei etwas weniger Leistung (192 PS) und etwa gleichen Fahrleistungen mit einem Normwert von glatt sechs Litern deutlich bescheidener. Spürbar spritziger fährt sich der Corsa OPC übrigens mit von Opel empfohlenem 100-Oktan-Sprit. Das ist kein Muss, doch wer den Unterschied zwischen normalem Super und Performance-Benzin einmal gespürt hat, wird mit etwas Pipi in den Augen gerne wieder zum teuren Tankrüssel greifen.

Die 18-Zoll-Räder kosten zusammen mit einem Sperrdifferenzial und Brembo-Bremsen für den Opel Corsa OPC rund 3.000 Euro Aufpreis.
Die 18-Zoll-Räder kosten zusammen mit einem Sperrdifferenzial und Brembo-Bremsen für den Opel Corsa OPC rund 3.000 Euro Aufpreis.

Alles andere als bescheiden ist Opel auch beim Preis. Ein Polo GTI liegt in seiner Basis bei etwas über 22.000 Euro. Für den Corsa OPC muss man rund 25.000 Euro bezahlen. Ausstattungsbereinigt ist der Karacho-Corsa allerdings auch sehr gut bestückt. Letztlich sorgt der Premiumschub auch für einen Preisschub. Fahrspaß-Maximierer, die auch einen gewissen Anspruch an Ausstattung haben, kommen hier also voll auf ihre Kosten.

Der neue Opel Corsa OPC als Gebraucht- und Neuwagen auf PKW.de

Fazit

Optisch und technisch hat Opel mit dem Corsa OPC ein eindrucksvolles Paket geschnürt. Der gar nicht mehr so kleine Krawallmacher beeindruckt vor allem mit seinen Premium-Allüren. Wer bereit ist, für das Fahrzeug mit ein paar Extras rund 30.000 Euro zu investieren, wird mit zahlreichen Nettigkeiten verwöhnt, die bis vor kurzem im Kleinwagen-Segment unüblich waren.

Doch ist der Corsa OPC vor allem ein Fahrzeug für das lustbetonte Bolzen auf kurvigen Strecken. Turbomotor und ein betont sportliches Setup qualifizieren den Kleinwagen zum ambitionierten Kurven- und 5er-Jäger. Auf der Autobahn sind stolze 230 km/h locker drin. Darüber hinaus ist der scharfe Corsa auch für die gelegentliche Nordschleifenrunde eine echte Empfehlung.

Ein hoher Grundpreis, ein hartes Fahrwerk, das gelegentliche Zerren am Lenkrad und sein deftiger Durst nach Teuer-Sprit sind die Kehrseite der Medaille.

Datenblatt Opel Corsa OPC (2015)
Motor Vierzylinder-Reihenturbobenziner
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1.598
Leistung PS/kW bei U/min 207/152 bei 1.900–5.800
Drehmoment in Nm 245 (kurzzeitig 280)
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe
Spurweite vorn/hinten in mm 1.472/1.479
Radstand in mm 2.510
Leergewicht/Zuladung in kg 1.293/377
Radaufhängung vorn/hinten McPherson/Torsionslenker
Bremsen vornhinten Scheiben/Scheiben
Wendekreis 10,6
Räder/Reifen Testwagen vorn/hinten 215/40 R 18
Kofferraumvolumen normal – maximal in Liter 285 – 1.090
Tankinhalt in Liter/Kraftstoffart 45/Superbenzin (empfohlen 100 Oktan)
Höchstgeschwindigkeit in km/h 230
Beschleunigung 0-100/80-120 in Sekunden 6,8/6,4
Verbrauch Angabe Hersteller/Testverbrauch in Liter 7,5/9,3
CO₂-Emission (g/km)/Schadstoffklasse 172/Euro 6

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