Reisekrankheit im Auto – Ursachen und Vorbeugung

Die Fahrt in die Ferien wird besonders dann unangenehm, wenn man unter der Reisekrankheit leidet. Alles zu Ursachen und Vorbeugung
Reisekrankheit macht besonders Kindern zu schaffen.
Oh oh! Jetzt aber ganz schnell rechts ran fahren!
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 30.05.2017

Wer sowohl Kinder als auch ein Auto hat, wird es schon einmal erlebt haben: Der Racker auf dem Rücksitz versucht, leicht panisch auf sich aufmerksam zu machen, ein feuchtes Blubbern ertönt aus dem tiefsten Inneren des Nachwuchses, und schon ist es passiert: Die halbe Packung Zookekse von der letzten Tankstelle verteilt sich großflächig auf den Alcantarasitzen des brandneuen Autos. Reiseübelkeit ist besonders bei Kindern keine Seltenheit, aber auch die erwachsenen Mitfahrer können daran leiden. Woher kommen die Symptome, wie lassen sie sich vermeiden und wie bekommen Sie jetzt die Sitze (und das Kind) wieder sauber?

Zunächst ein Hinweis: Bei PKW.de arbeiten Menschen, die sich mit Autos besser auskennen als mit Medizin. Alle Informationen wurden sorgfältig recherchiert. Trotzdem sollten unsere Tipps nicht als medizinischer Ratschlag interpretiert werden.

###Immer in Balance

Normalerweise wissen wir sehr genau, was mit uns geschieht. Wir wissen, ob wir stehen oder liegen, spüren, ob wir uns bewegen, und können selbst mit geschlossenen Augen genau sagen, wo sich unsere Arme und Beine befinden. Damit diese Sinne funktionieren, braucht es drei verschiedene Informationsquellen: Bestimmte Nerven in den Muskeln sagen uns, wo unsere Körperteile liegen und wohin sie sich bewegen. Das Auge nimmt unsere Umgebung wahr und erlaubt unserem Gehirn, sie zu analysieren: Waagerechte Flächen wie der Boden, die Decke oder zum Beispiel eine Tischkante dienen genauso als Lageindikatoren wie senkrechte Objekte wie Hauswände oder Strommasten. Das dritte und wichtigste Organ befindet sich in unserem Ohr und wird Vestibularapparat genannt. Dieses Organ erkennt die Lage und die Bewegung unseres Kopfes.

###Reisekrankheit bringt uns aus dem Gleichgewicht

Normalerweise sind die drei Faktoren im Einklang und ergeben ein klares Bild von unserer Lage im Raum. Was aber, wenn das Gleichgewichtsorgan Bewegung wahrnimmt, das Auge aber Ruhe meldet? Das Gehirn ist an eine solche Situation einfach nicht angepasst, weil Menschen sich erst seit einigen hundert Jahren regelmäßig in geschlossenen Fahrzeugen bewegen. In der Folge schüttet das Gehirn Stresshormone aus, die Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Verwirrung auslösen können. Diesen Zustand nennt man Reisekrankheit oder Kinetose.

###Gegen Reisekrankheit ist ein Kraut gewachsen

Neben einer Reihe von Medikamenten, über die Betroffene am besten mit ihrem Arzt oder Apotheker sprechen sollten, gibt es eine Reihe an Hausmitteln gegen die Reisekrankheit, die zwar ohne Medikamente auskommen, deren Wirksamkeit aber immer wieder infrage gestellt wird. So empfehlen Betroffene häufig die Einnahme von Ingwer als Tee, Tablette oder pur zum Kauen. Tatsächlich kann Ingwer erwiesenermaßen Übelkeit unterdrücken, andere Symptome bekämpft die Knolle aber nicht. Auch Vitamin C wird nachgesagt, die Reisekrankheit zumindest zu lindern.

###Reisekrankheit vermeiden – schon vor der Fahrt

Damit die Symptome der Reisekrankheit gar nicht erst auftreten, sollte man sich gut auf die Fahrt vorbereiten: Schon einen Tag vor der Fahrt sollte man auf Alkohol verzichten. Dieser beeinträchtigt den Gleichgewichtssinn zusätzlich. Außerdem sollte man nicht zu fettig essen. Ein weiteres Phänomen, für das es noch keine einheitliche Erklärung gibt, ist die Tatsache, dass der Fahrer des Autos so gut wie nie von der Reisekrankheit betroffen ist. Wenn Sie es also einrichten können, übernehmen sie einfach selbst das Steuer. Wer bei der Fahrt liest oder sich mit dem Smartphone beschäftigt, neigt außerdem eher dazu, Symptome der Reisekrankheit zu entwickeln.

###Reisekrankheit bei Kindern

Das alles nützt bei Kindern in der Regel allerdings recht wenig. Selbst fahren kann der Knirps wohl nicht, und Kleinkinder mit Ingwer zu füttern, ist wohl auch nicht die beste Idee. Daher gilt bei Autoreisen mit Kindern: Seien Sie vorbereitet! Ins Handgepäck gehören:

  • Desinfektionsmittel
  • Plastikbeutel (wasserdicht!)
  • Lufterfrischer
  • Ein Handtuch
  • Frische Kleidung für die Kleinen

Meistens lässt sich Reisekrankheit soweit in den Griff bekommen, dass die Fahrt in den Urlaub nicht zu einem großen Problem wird. In schweren Fällen kann Ihnen ihr Arzt ein Medikament verschreiben, das die Symptome relativ zuverlässig unterdrückt.


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