Ein neues Phantom geht um.

Rolls- Royce hat es schon wieder getan. Der neue Phantom ist der Gipfel der Nutzlosigkeit
Englischer Luxus: Der Rolls-Royce Phantom 8
Groß, teuer, besonders. Die achte Generation des Rolls-Royce Phantom ist ein Auto der Superlative.
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 07.08.2017

Was schenkt man einem Menschen, der wirklich alles hat? Versteckte Regenschirmhalter, einen persönlichen Sternenhimmel? Einen Kühler für den dringend benötigten Jahrgangschampagner? Alles schon da gewesen. Danke, Nächster. Niemand kennt dieses Problem besser als die Konstrukteure von Rolls-Royce. Was soll man noch in ein Auto einbauen, das mehr kostet als ein Haus? Mit der neuen Auflage des Rolls-Royce Phantom erhebt der englische Autobauer die Nutzlosigkeit erneut zur Kunstform. Aber um den Nutzen geht es bei einem Royce nun wirklich nicht.

Der Phantom ist eine Präsenz

Der letzte Anblick im Leben eines Kaninchens. Könnte schlimmer sein.
Der letzte Anblick im Leben eines Kaninchens. Könnte schlimmer sein.

Vor dem neuen Phantom fühlt man sich unweigerlich wie ein Kaninchen im Scheinwerferlicht eines LKW, denn ungefähr so groß wirkt das Dickschiff. Irgendjemand hielt es wohl für eine gute Idee, das Brandenburger Tor in Originalgröße an die Front des Wagens zu schrauben. Anstatt der Viktoria thront nun allerdings der „Spirit of Extasy“ an der Spitze des Prunkbaus. Zu beiden Seiten des automotiven Triumphtores tauchen kleine, rechteckige Sonnen den Weg nach vorne in gleißendes Licht.

Was braucht man, um einen Blechberg zu versetzen?

Ungefähr so groß wie Luxemburg: Der Phantom 8.
Ungefähr so groß wie Luxemburg: Der Phantom 8.

Würde man das Kühlertor durchschreiten, käme man an das eigentliche Herz des Rolls-Royce Phantom. 12 Zylinder sind hier damit beschäftigt, Benzin in Vortrieb zu verwandeln. Und davon gibt es mehr als genug: 571 reinrassige Pferdestärken ziehen das mehr als 2,5 Tonnen schwere Gefährt über die Straße. Damit die gut betuchte Kundschaft den Anblick offener Maschinen nicht ertragen muss, wird alles von einer Motorhaube abgedeckt, unter der man bequem zu dritt wohnen kann.

Rolls-Royce findet große Worte für ein großes Auto

Begehrter Arbeitsplatz: Das Cockpit eines Rolls-Royce.
Begehrter Arbeitsplatz: Das Cockpit eines Rolls-Royce.
Natürlich kann in einem Luxusauto gar nicht genug Gold verarbeitet sein. Die Galerie.
Natürlich kann in einem Luxusauto gar nicht genug Gold verarbeitet sein. Die Galerie.

Rolls-Royce ist nicht nur eine Traditionsmarke, sondern auch ein moderner Autobauer. Darum setzt man auch hier auf autonomes Fahren. Das System heißt, je nach Kundenwunsch, Niles, James oder wie auch immer der Chauffeur heißen mag, den die meisten Rolls-Royce-Besitzer wahrscheinlich beschäftigen. Allerdings gibt es durchaus schlechtere Arbeitsplätze als den Fahrersitz des Phantom VIII: Das Lenkrad ist natürlich beheizt, genau wie die Sitze. Vor dem Beifahrersitz befindet sich das, was Rolls-Royce als „Die Galerie“ bezeichnet. Anstatt geschützte Tropenhölzer zu verarbeiten, kann hier ein Kunstwerk zur Schau gestellt werden, das natürlich für jeden Kunden extra in Auftrag gegeben wird. Man will sich ja vom Proletariat abheben. Die Ideen reichen von Ölgemälden der englischen Landschaft zu Porzellanrosen aus deutschen Traditionsmanufakturen. Der Fantasie des Kunden sind (leider?) keine Grenzen gesetzt.

Im Phantom sitzt man lieber hinten

Will man da wirklich noch aussteigen?
Will man da wirklich noch aussteigen?

Das meiste Geld konzentriert sich allerdings meist auf den hinteren Sitzreihen. Natürlich setzt man sich nicht einfach in einen Rolls-Royce, nein, man wird von dem Wagen „umarmt“. Wo sich normale Türen schließen, werden die Tore des Phantom VIII „zugeflüstert“. Der Innenraum wird auf Wunsch mit dem Rolls-Royce-typischen Sternenhimmel ausgestattet. So kann man unter den Sternen ein perfekt temperiertes Getränk genießen, ohne dabei mit normalen Menschen in Berührung zu kommen.

Den Phantom 8 braucht eigentlich niemand. Eigentlich.

Wie alle Rolls-Royce ist auch der Phantom kein Auto, mit dem man seinen Alltag bestreitet. Dafür ist er viel zu groß, klobig und teuer. Für die Reichen und Superreichen ist er ein Statussymbol, für uns Normalsterbliche ist er ein viel zu großer, viel zu teurer Witz. Ach, und der Preis? Ab 300.000 Euro.


Weitere Artikel zu diesem Thema