BMW E24: Dieses Kult-Coupé wird immer kultiger

Vielen gilt der BMW 6er als noch relativ junge Baureihe von BMW. Doch hatte das heutige Luxus-Coupé bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren einen legendären Vorläufer: Das intern BMW E24 genannte Zweitürer-Coupé ist ein direkter Vorfahre des 6ers, welcher vielen zudem als Design-Sternstunde des Autobaus gilt. Technisch weitgehend ein 5er, machte der E24 mit seinen verschwenderischen Formen und seinem 7er-Look auf distinguiertes Oberklasse-Coupé. In gut 13-jähriger Bauzeit sind von diesem auch 6 CS genannten Schönling knapp 80.000 Exemplare produziert worden. Das teure Coupé war also schon damals kein Massenartikel. Umso erstaunlicher ist deshalb das immer noch recht vielfältige Angebot an Gebrauchtwagen und deren Begehrtheit im deutschen Markt. Allerdings: Wie schon einst beim Neuwagenkauf, verlangt der E24 auch heute wieder als echtes Liebhaberstück nach einer gehobenen Investitionsbereitschaft. Die könnte sich möglicherweise sogar lohnen.

BMW E24: Der Ur-6er wird zum Liebhaberstück

Beim BMW 6er denken die meisten wohl an das ab 2003 angebotene Coupé auf technischer Basis des BMW 5ers. Doch ganz so neu ist die Idee vom 6er eigentlich gar nicht, denn bereits in den 1970er-Jahren verzückten die Münchner die Autowelt mit einem zweitürigen Edel-Derivat auf 5er-Basis. Das intern BMW E24 genannte Luxuscoupé präsentierte sich im März 1976 auf dem Genfer Autosalon mit der Modellbezeichnung 6 CS erstmalig der Weltöffentlichkeit. Damals war die erste Ölkrise bereits wieder vergessen, und die Autokäufer waren entsprechend bereit, sich für ein verschwenderisch schönes Mobil mit großen und starken Sechszylinder-Benzinern zu begeistern.

Wie auch den späteren BMW 6er baute der bayerische Autobauer bereits den E24 vornehmlich auf der Technik des 5ers auf, wenngleich das Modell als Oberklasse-Vertreter positioniert und auch eingepreist wurde. Damit der 6 CS seinen gehobenen Status rechtfertigen kann, erhielt dieser trotz seiner damals schon leicht betagten 5er-Technik die Designlinie des ein Jahr später, also im Frühjahr 1977, auf den Markt gebrachten 7ers. Für das große Wow-Erlebnis sorgten die zudem sehr stimmigen Proportionen, die elegant langsam nach hinten abfallenden C-Säulen und die optisch zurückgenommenen B-Säulen. Dieser Designkniff sorgte zusammen mit den rahmenlosen Türen für eine unverschämt große und homogen wirkende seitliche Fenstergrafik. Keine Frage: Der E24 war und ist ein besonderer Hingucker.

Einen E24 musste man sich leisten wollen

Und auch im Innenraum konnte der E24 ordentlich was hermachen, denn hier wurden zumindest die vorderen Insassen mit gehobenem Komfort und einer zudem recht sportlichen Anmutung verwöhnt. Vor allem der dem Fahrer zugewandte Arbeitsplatz sorgte für ein damals progressiv anmutendes Dynamik-Flair. Eine Besonderheit war hier die angeschrägte Mittelkonsole mit Zusatzinstrumenten. Lediglich das Platzangebot im Fond war ein etwas unrühmliches Kapitel, denn angesichts der rund 4,80 Meter langen Karosserie mussten sich Gäste im Fond beschämend eng auf einer Rückbank mit Notsitzcharakter zusammenkauern. Aber für Familien gab es auch damals schon andere Autokonzepte.

Der BMW E24 startete 1976 zunächst zwei Motorisierungen: dem 630 CS und dem 633 CSi für 40.600 beziehungsweise 43.100 D-Mark. Bei der Basismotorisierung kam ein Dreiliter-Sechszylinder mit Solex-Vergaser zum Einsatz, der 185 PS und 260 Newtonmeter Drehmoment bereitstellte. Damit konnte man in Auto-Quartetts durchaus einige Stiche machen, denn die Beschleunigung lag bei glatt neun Sekunden, während die Höchstgeschwindigkeit immerhin 210 km/h betrug. Noch etwas forscher ging es im 633er voran: Das einspritzende Sechszylinder-Aggregat holte aus 3,2 Litern Hubraum 200 PS und 285 Newtonmeter, was für 7,9 Sekunden und 215 km/h reichte. Und der Verbrauch war mit rund 11 Litern sogar etwas niedriger als beim durstigen 630.

Mit M-Weihen wird der E24 bis zu 255 km/h schnell

Das spätere Sahnestück der Baureihe E24 und gleichzeitiger Verkaufsschlager wurde jedoch der 635 CSi, der zum Modelljahr 1979 folgte. Sein 3,5-Liter-Triebwerk bescherte dem Flitzer 218 PS und 304 Newtonmeter, was für 7,6 Sekunden beim Sprint und maximal 222 km/h reichte. Es folgten später noch 635-Derivate mit Katalysator und Ende der 1980er-Jahre eine kleine Leistungsspritze auf 220 PS, beziehungsweise im Jahr 1984 noch die Hochleistungsversion M635 CSi. Letztere sorgte mit stolzen 286 PS, 5-Gang-Sportgetriebe und Sperrdifferential für einen selbst aus heutiger Sicht ziemlich zackigen Vortrieb: 6,4 Sekunden und 255 km/h mochte der 1,5-Tonner aufs Parkett zaubern.

Doch schnell hieß auch teuer: Mit dem ab September 1986 mit Katalysator bestückten M635 CSi sprengte die E24-Baureihe erstmalig die 100.000-D-Mark-Grenze. Es ging aber auch noch eine Spur bescheidener: Von 1979 bis 1987 wurde außerdem der 628 CSi angeboten (z. B. 1982 für 51.800 D-Mark), der mit seinem 2,8-Liter-Sechszylinder den hubraumstärkeren 630 ersetzte und mit 184 statt 185 PS auskam. Wichtig war beim 628i der deutlich reduzierte Verbrauch dank einer Bosch-Einspritzanlage. Doch diese durchaus vernünftige Motorisierung war bei den betuchteren Kunden letztlich wenig gefragt. Der 6er war nunmal ein verschwenderisches Auto, und insofern erschien es den meisten Kunden wohl nur recht und billig, sich dieses Schmuckstück dann auch mit ordentlich Dampf im Kessel zu kaufen.

Zwei Modellpflege-Maßnahmen in 13 Jahren

Neben verschiedenen Motoren und einigen technischen Änderungen bei den Antrieben gab es in der gut 13-jährigen Bauzeit des E24 außerdem noch zwei Modellpflege-Maßnahmen. Ein entscheidendes Datum in der Baureihe war das Frühjahr 1982, welches mit einer optisch eher marginalen Aufwertung einherging. Entscheidender waren die Neuerungen unterm Blechkleid. So wurde das Fahrwerk der neuen 5er-Generation übernommen, welches unter anderem eine steifere Karosseriestruktur erlaubte, dank derer die Gesamtkonstruktion des E24 gut 50 Kilogramm Gewicht einsparen konnte. Neben positiven Effekten für die Crashsicherheit und die Fahrdynamik konnten zudem mit der Einführung einer moderneren Einspritzung die Verbrauchswerte reduziert werden. Auch der Innenraum wurde renoviert, die Instrumente überarbeitet, die Klima-Bedienung neu geordnet und ein Bordcomputer mit einem speziellen Reisemodus eingeführt, dessen Funktionalität angesichts heutiger GPS-Navis ein belächelnswertes Relikt des vordigitalen Zeitalters ist.

Fast schon wie ein letztes Aufbäumen wirkt die Modellpflege von 1987, die angesichts ihrer deutlichen optischen Modifikationen auch die Bezeichnung Facelift verdient hat. Denn mit den neuen, größeren Prallbockstoßfängern, einem neuen Frontspoiler und neuen Scheinwerfern waren die Design-Zutaten doch augenfällig. Derweil konnten diese jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der E24 in die Jahre gekommen war und eben auch andere Baureihen von BMW deutlich modernere Technik unterm Blechkleid trugen. Der E24 hatte noch immer eine besondere Ausstrahlung, doch seine Zeit war gekommen. Bis ins Frühjahr 1989 wurden die letzten 635- und M635-Varianten gebaut, während die Basisversion 628 bereits kurz vor der zweiten Modellpflege aufs Altenteil geschickt wurde. Und damit verabschiedete sich BMW auch für längere Zeit von der 6 als Baureihenname. Der E24 bekam nämlich einen direkten Nachfolger in Form des 8ers, bei dem es sich um ein in ähnlicher Weise großes und teures Coupé der Oberklasse handelte, welches allerdings auch echte Oberklasse-Technik bot: Dieses Mal setzte die Konstruktion auf eine technisch eng mit dem 7er verwandte Plattform auf. Erst 2003 wurde die Baureihe 6er wiederbelebt, die sich mittlerweile sogar in zweiter Neuzeit-Generation fest im Modellinventar der Bayern etabliert hat.

Einen E24 gibt es fast nur noch zu Sammlerpreisen

Heute gehört der Ur-6er zu einer seltenen, aber festen Größe auf dem Gebrauchtmarkt, denn mythisch verklärt und mit einer irgendwie auch zeitlos schönen Linie, vermag der E24 heute mehr denn je Autofans in seinen Bann ziehen. Interessierte müssen allerdings akzeptieren, dass die Zeiten für Schnäppchen vorbei sind. Selbst vom seltenen und weniger gefragten 628er werden für sogenannte Restaurationsobjekte gehobene vierstellige Summen aufgerufen. Vergleichsweise viele Gebrauchtwagen gibt es vom E24 mit 35er-Antrieb, für den aber vor allem in den starken M-Varianten richtig gesalzene Liebhaberpreise verlangt werden, die sich schon zum Teil in mittleren fünfstelligen Regionen bewegen. Da muss man schon verliebt sein und etwas zu viel Geld auf dem Konto haben, um sich ein solches Schmuckstück in die Garage stellen zu wollen. Und die Garage ist der wohl beste Ort, denn angesichts des Alters und der Preise erscheint es schon fast verantwortungslos, gut erhaltene Exemplare im Alltag zu verheizen. Spannend kann es im Fall des E24 sein, ein relativ unverbasteltes Restaurationsobjekt aus dem Angebotspool herauszufiltern und dieses dann mit viel Eigeninitiative wieder aufzupäppeln. Sofern man sich überhaupt von einem solchen Auto dann noch trennen kann, könnte am Ende einiges an Geld übrig bleiben. Denn: Dieses besonders schöne Coupé scheint mit zunehmenden Alter mehr und mehr Ausstrahlung zu gewinnen.

BMW E24
Produktionszeitraum1976 bis 1989
Höchstgeschwindigkeit200–255 km/h
0–100 km/h6,4–11,2 Sek.
Verbrauch (bei 120 km/h)8,7–11,2 l/100 km
CO₂204-306 g/km
Zylinder/Ventile6/12–24
Hubraum2.788–3.453 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.)135/184–210/286 bei 5.800–6.500
Drehmoment (Nm bei U/min.)240–340 bei 4.200-4.500
Maße (L x B x H)4.755–4.815 mm x 1.725–1.740 mm x 1.355–1.365 mm
AntriebHeck
Tankinhalt70 l
TreibstoffSuper
Leergewicht1.410–1.515 kg
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
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