Kantensprung statt Quantensprung

VW stellt die 6. Bulli-Generation vor
VW T6: Die neue Bulli-Generation.
Optional sogar zweifarbig lackiert bestellbar: Der neue VW T6.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 16.04.2015

Köln, 16.04.2015 – Gerne schreiben Motorjournalisten vom Quantensprung, wenn sich bei einer Baureihe ein Generationswechsel vollzieht. Gemeint ist damit ein ungewöhnlich großer Fortschritt. Der bliebt im Fall des VW Bus in seiner 6. Auflage allerdings aus. Immerhin: Von der Außenhaut des T6 springen dem Betrachter einige neue Kanten recht drastisch ins Auge.

Obwohl der Vorgänger T5 mit 12 Jahren Produktionszeit ein Methusalem ist, bleiben mit der Neuauflage T6 der eigentlich betagte Unterbau und der Korpus erhalten. Man könnte insofern trefflich streiten, ob es sich in diesem Fall eher um ein Facelift als um eine Neuauflage handelt, wie einst beim Wechsel von Golf V zu Golf VI. Letztlich muss das wohl jeder für sich entscheiden, an Höhepunkten hat die Neuauflage zumindest einiges im Angebot.

Optisch wären da einige feiner ausgeprägte Lichtkanten im Blechkleid. Der in seinen Außenabmessungen (4,89 bis 5,29 Meter Länge) nahezu unveränderte T6 gibt sich vor allem in der Front etwas filigraner und fortschrittlicher. Dazu tragen ganz gewiss auch die Scheinwerfer mit ihrer optionalen LED-Technik bei. Nicht nur ein schickes Tagfahrlicht wurde hier markant in die Scheinwerfereinheiten integriert, auch Abblendlicht und Fernlicht können per LED die Fahrbahn ausleuchten. Ebenfalls verleiht LED bei den Rückleuchten dem T6 eine besondere Nachtgrafik und damit im Dunkeln einen hohen Wiedererkennungswert.

Aufgewerteter Innenraum

Der Arbeitsplatz wirkt im neuen VW T6 deutlich modernisiert.
Der Arbeitsplatz wirkt im neuen VW T6 deutlich modernisiert.
Wer den vorderen Fahrgastbereich entert, wird schon eher das Gefühl haben, in einer neuen Bulli-Generation zu sitzen, denn hier sind die Änderungen offensichtlicher. Während die drei Bereiche Cockpit, Mittelkonsole und Handschuhfach beim T5 noch recht streng voneinander getrennt waren, wurde nunmehr das Ganze in einer horizontalen Einheit optisch stärker zusammengeführt, wenngleich die Aufteilung der drei Bereiche klar bestehen bleibt. Der Fahrer hat ein neues Dreispeichenlenkrad zu Hand und blickt auf ein Kombiinstrument mit klassischen Rundinstrumenten und einem Infodisplay. Der Gangwahlhebel befindet sich griffgünstig oben in der Mittelkonsole, die wiederum einen großen Touchscreen für das Navi-Multimedia-System beherbergen kann. Zusatzschalter und die Bedieneinheit der Klimaautomatik wurden neu sortiert. Besonders auffällig sind jedoch die großzügigen Bereiche mit neuen Dekoroberflächen. Applikationen in Klavierlackoptik, in Wagenfarbe, aus gebürstetem Alu oder aus Holz sorgen für einen Hauch mehr Premium im T6. Neu ist auch ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz mit Memory-Funktion. Die meisten Details sind natürlich aufpreispflichtiger Schnickschnack, auf den die nüchternen Handwerker-Derivate selbstverständlich verzichten können.

Biturbo schafft über 200 km/h

In seinen Proportionen ist der VW T6 mit dem Vorgänger identisch.
In seinen Proportionen ist der VW T6 mit dem Vorgänger identisch.
Ein sehr wichtiger Aspekt der T6-Generation sind die neuen Motoren, die nunmehr allesamt die Euro-6-Abgasnorm erfüllen. Es wird aufgeladene Benziner und Diesel mit jeweils vier Zylindern und zwei Litern Hubraum geben. Während bei den TSI-Motoren die Leistungsstufen 150 und 204 PS angeboten werden, sind die TDI-Aggregate 84, 102, 150 und 204 PS stark. Im Vergleich zu den Vorgängern verfügen alle Motoren serienmäßig über eine Start-Stopp-Automatik und sollen sich mit rund einem Liter weniger als bisher beim Verbrauch begnügen. Demnach soll sich die Bluemotion-Variante mit 102 PS mit 5,5 Liter auf 100 Kilometer bescheiden. Neben den manuellen Getrieben mit fünf und sechs Vorwärtstufen wird es noch ein siebenstufiges DSG geben. Ebenfalls optional wird der Allradantrieb 4Motion für einige Motorvarianten im Angebot sein. Während die Verbräuche runter gehen, geht es mit den Fahrleistungen rauf: Erstmalig in seiner Geschichte soll ein VW Bus mit dem Biturbo-Diesel eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der 200 km/h ermöglichen. Fit für Euro 6 wurden die Diesel übrigens mit der Adblue-Technik. Hier wird durch die Beimengung von Harnstoffsäure der Stickoxidausstoß deutlich verringert. Nachteil: Der Adblue-Vorrat in einem 13-Liter-Zusatztank hält 7.000 Kilometer und muss spätestens dann wieder aufgefüllt werden.

Viele neue Technik-Gimmicks

Vielleicht etwas zu gut gemeint hat es VW mit einem adaptiven Fahrwerk. Wer also besonders sportlich mit dem Bulli über Landstraßen und Autobahnen brettern will, kann künftig dank dieser Option per Knopfdruck vom Komfort- in einen Sportmodus wechseln. Optional wird zusätzlich eine Fahrwerkstieferlegung um 20 mm angeboten.

Aufgewertet: Die Front des VW T6 mit neuen Scheinwerfern und Sicken.
Aufgewertet: Die Front des VW T6 mit neuen Scheinwerfern und Sicken.
Aufgerüstet wurde der T6 vor allem mit den derzeit so angesagten Assistenzsystemen. Für die LED-Scheinwerfer gibt es den Light Assist, der unter anderem das Fahren mit einem anpassungsfähigen Dauerfernlicht erlaubt. Eine Müdigkeitserkennung und ein Berganfahrassistent für die 4x4-Versionen sind ebenfalls bestellbar. Außerdem gibt es den Kollisionsverhinderer Front Assist, der unter anderem einen Abstandstempomaten und eine City-Notbremsfunktion bietet. Totwinkelwarner, Parkpiepser und eine Rückfahrkamera sind weitere Optionen.

Rückbänke werden zur Schlafgelegenheit

Überarbeitet wurde auch die Bestuhlung im Fond. Die Rückbänke mit drei Sitzen gibt es auch als rollengelagerte Liegevariante. Hier kann man die Rücklehnen so umklappen und zusammenschieben, dass ein Schlafareal entsteht – ideal für Gelegenheitscamper. Alternativ gibt es drehbare Einzelsitze, die für das Drehen nicht mehr ausgebaut werden müssen. Ausgebaut werden können weiterhin alle hinteren Sitzgelegenheiten, womit der T6 3.500 bis 9.300 Liter Stauraum bieten kann. Zugang zum Fond gibt es klassisch über eine seitliche Schiebetür, eine zweite Schiebetür ist optional. Ebenso optional ist die sich auf Knopfdruck elektrisch öffnende und schließende Heckklappe.

Ob Klimaautomatik, Zweifarbenlackierung, Sitzheizung oder Alcantarabezüge – die T6-Ausstattungswelt bietet noch viele weitere (neue) Optionen, mit denen sich der Basispreis von gut 30.000 Euro noch deutlich nach oben treiben lässt. Der Markt der Möglichkeiten ist ohnehin riesig, denn ob Kombi, Kastenwagen, Pritsche oder Camper – über 500 Varianten stehen bei VW ab Juli 2015 wieder im Angebot.

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(Bildmaterial: Volkswagen)


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