Polestar: Der neue Stern am Autohimmel?

Der Polestar 1 ist Volvos Versprechen an seine Kunden.
WIe ein Muscle Car: Der Polestar 1
Bullig und brachial, aber mit subtilen Details: Der Polestar 1 von außen.
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 20.10.2017

Autos von Volvo sind vor allem dafür bekannt, ihre Insassen besser zu schützen als fast jedes andere Fahrzeug. Unter dem Namen Volvo Polestar bauten die Schweden aber auch Rennversionen ihrer Stahlkolosse, die sogar den einen oder anderen Rallyeerfolg feiern konnten. Jetzt wird die Tuningschmiede zur eigenen Marke und baut unter der Bezeichnung Polestar 1 ein Auto, das es mit den Großen aufnehmen soll.

Schwedisch-chinesische Kollaboration

Der Polestar 1 könnte tatsächlich etwas Besonderes werden. Zum einen trägt die Marke immer noch eine Menge von Volvos gutem Ruf, zum anderen werden die Schweden seit einiger Zeit vom chinesischen Konzern Geely unterstützt, auf dessen riesige Produktionskapazitäten sie nun zugreifen können. Das Ergebnis wirkt tatsächlich wie ein Premiumcoupé von Volvo. Dabei deutet äußerlich eigentlich nichts darauf hin: Kein Volvo-Emblem ziert den Polestar 1, nur das Design ähnelt dem des aktuellen Volvo-Repertoires. Eben nur als Coupé. Im Profil erinnert der Grand Tourer fast an ein Muscle-Car, so brachial wirkt der Kühler und so steil fällt das Heck ab. Auch interessant: Der große Kühlergrill ist in unauffälligem Schwarz gehalten und wird nicht von einem großen Emblem unterbrochen. Er wirkt fast wie ein großes Loch in der Front des Wagens. Durch die Beleuchtung wird dann aber doch schnell klar, wer beim Design federführend war: Scheinwerfer und Rückleuchten scheinen direkt vom Volvo V90 zu stammen.

Ein bisschen Volvo steckt auch im Polestar.
Ein bisschen Volvo steckt auch im Polestar.

Hightech im frischen Gewand

Unter der Haube wird hart daran gearbeitet, das Versprechen der Mutterfirma einzuhalten: Bis 2019 will Volvo nur noch Elektroautos oder Hybride verkaufen. Natürlich trifft das auch auf den Polestar 1 zu. Zwei Elektromotoren im Heck sollen eine reinelektrische Reichweite von 150 Kilometern ermöglichen, unterstützt werden sie dabei von einem konventionellen Vierzylinder-Motor. Der Antriebsstrang soll für eine Systemleistung von 600 PS und 1000 Newtonmetern gut sein. Die Konsequenz: Neben den deutschen Konkurrenten BMW und Audi schielt man auch auf den Markt jenseits des Atlantiks. So wollen Polestar und Volvo mittelfristig in Teslas Revier wildern.

Ein Heck wie eine Klippe.
Ein Heck wie eine Klippe.

Abomodell, Smartphoneschlüssel: Das Kleingedruckte

Der Polestar 1 wirkt auf den ersten Blick wie ein hervorragend gelungenes Coupé von einem Hersteller, der sein Handwerk versteht. Der Teufel allerdings könnte im Detail stecken: Denn Volvo will, so heißt es in der entsprechenden Mitteilung, auf das „Konzept des traditionellen Fahrzeugbesitzes“ verzichten. Im Klartext heißt das: Anstatt das Auto zu kaufen, kann man es „abonnieren“. Gegen eine monatliche Gebühr soll der Fahrer dann verschiedene „On-Demand-Dienste“ wie einen Concierge-Service und einen Smartphone-Schlüssel in Anspruch nehmen können. Der Polestar 1 soll nur online oder in sogenannten Polestar-Spaces bestellbar sein. Ob man dem Kunden ein nur leicht geschöntes Mietmodell mit Anglizismen schmackhaft machen kann, bleibt abzuwarten. Besonders für Enthusiasten dürfte das Abomodell aber zunächst abschreckend wirken, denn was man nicht kauft, das gehört einem auch nie wirklich.

Die gedruckte Modellbezeichnung wirkt erstaunlich elegant.
Die gedruckte Modellbezeichnung wirkt erstaunlich elegant.

Der Polestar 1 kommt 2019

Volvo baut unter dem Namen Polestar also ein Auto, das voller Potenzial steckt. Trotzdem muss man sich fragen, warum ausgerechnet Volvo mit alternativen Vertriebswegen herumexperimentiert. Davon abgesehen gibt es noch keine Angaben zum Preis des Polestar 1. Auch mit Verbrauchs- und Abgaswerten hält man sich im Moment noch bedeckt. Wir hoffen, dass das Coupé viele Abnehmer findet, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Hier sitzt der Fahrer. Ist der Innenraum futuristisch oder einfach steril?
Hier sitzt der Fahrer. Ist der Innenraum futuristisch oder einfach steril?

(Bildmaterial: Volvo)


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