Nach G7 kommt G11

BMW zeigt in München die Neuauflage der Oberklasse-Baureihe 7er
BMW 7er (G11) Modelljahr 2016.
Schick, aber nicht experimentierfreudig: Das Design des neuen BMW 7er.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 11.06.2015

Köln, 11.06.2015 – Nur wenige Tage nach der G7-Sause in Elmau folgt im südlichen Bayern noch das G11-Spektakel. G11? Gemeint ist die neue Generation des BMW 7er; G11 ist ihr interner Code. Gestern Abend feierte das neue BMW-Flaggschiff in München seine Weltpremiere. Ganz nach Branchenart wurde das Aushängeschild dem versammelten Fachpublikum mit pompösen Lobeshymnen über das Innovations-Feuerwerk schmackhaft gemacht.

Innovationen sind auch dringend nötig, denn in so niederen Regionen wie 2014 hat sich der BMW 7er in der deutschen Zulassungsstatistik seit sehr langer Zeit nicht mehr bewegt. Unter den Mitbewerbern deutscher Hersteller war nur der VW Phaeton schlechter. Das Image der sonst so erfolgsverwöhnten Münchener ist zumindest in der Oberklasse angekratzt, während Erzrivale Mercedes ein Vielfaches seiner S-Klasse im gleichen Zeitraum absetzen konnte. Zeit für einen Neuanfang bei BMW, der turnusgemäß im Herbst 2015 ansteht.

Mit reichlich Feinheiten garniert: Das Heck des BMW 7er.
Mit reichlich Feinheiten garniert: Das Heck des BMW 7er.

Statt radikal mit der bisherigen Formensprache zu brechen, wirkt das Design wie eine evolutionäre Weiterentwicklung des Vorgängers. Wobei man sich an der jüngeren Formensprache bei BMW bedient hat, denn ein wenig wirkt der in seiner Standardversion 5,10 Meter lange 7er wie ein aufgeblasener und gestreckter 3er. Insofern machen die BMWler alles richtig, denn der 3er ist erfolgreich, wohl auch aufgrund seiner wohlsitzenden Blechhaut. Dabei wurde der 7er mit einigen Feinheiten aufgewertet und kann sich gekonnt von seinen profaneren Markenbrüdern abheben. Schick sind zum Beispiel die durch eine Chromspange geteilten, L-förmigen LED-Heckleuchten. Auch unter aerodynamischen Aspekten wird BMW viel Feinarbeit geleistet haben, denn der 2009 in München in Betrieb genommene Hightech-Windkanal namens Aerolab dürfte sehr dabei geholfen haben, der Außenhaut Widerborstigkeiten auszutreiben. Das geschieht zum Beispiel mit einer bedarfsgerechten Luftzustromregelung des aktiven Kühlergrills.

Alternativen satt: Das vielseitige Bedienkonzept

Auch beim Innenraum bietet der 7er einen bewährten und bekannten BMW-Stil, der eine aufgeräumte, wohnlich-gediegene und hochtechnisierte Lederlandschaft ähnlich wie beim Vorgänger bietet, die, wie üblich, mit Holz- und Metallapplikationen garniert wurde. Wie beim Vorgänger gibt es in der Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen einen ergonomischen Gangwahlhebel für die stets achtstufige Automatik und einen iDrive-Controller genannten Dreh-Rückstellknopf. Beide übrigens in Keramik ausgeführt, was für eine hochwertige Anmutung sorgt. Über den Controller kann man sich in gewohnter Weise durch die Menüs des hochgerüsteten Multimedia-Infotainment-Komplexes hangeln, dessen Inhalte über einen über 10 Zoll großen Bildschirm ausgegeben werden. Während in früheren Zeiten der Controller reichte, ist nunmehr ein vielfach redundantes Bedienkonzept angesagt. So befindet sich im iDrive-Controller eine berührungsempfindliche Fläche, auch der Bildschirm ist jetzt berührungsempfindlich, außerdem gibt es eine Sprachsteuerung und ein mit vielen Tasten ausgestattetes Multifunktionslenkrad.

Schicker und innovativer denn je: Innenraum des BMW 7er.
Schicker und innovativer denn je: Innenraum des BMW 7er.

Reicht nicht, hat man sich bei BMW gedacht und dem 7er gleich noch eine Gestenerkennung via 3D-Sensor spendiert, die zum Beispiel mit einer Handbewegung eine Anrufannahme oder die Lautstärkeregelung der Audioanlage erlaubt. Darüber hinaus gibt es auch zusätzliche berührungsempfindliche Oberflächen, die bisher klassisch mechanische Schalter ersetzen. Auch im Fond gibt es in der Armlehne untergebracht ein Touchscreen in Form eines herausnehmbaren 7-Zoll-Touchpads, über das die hinteren Gäste diverse Funktionen steuern oder aber auch im Internet surfen können.

Riesige Displays statt Analoginstrumente

Auch das Kombiinstrument des 7er wurde neu gestaltet. Der bisherige Mix aus Analoginstrumenten und Display wurde zugunsten einer rein digitalen Lösung aufgegeben. Dort, wo der klassische Drehzahlmesser über die Lebendigkeit des Motors informiert, kann alternativ das serienmäßige 8,8-Zoll-Display auch Navihinweise angezeigen. Obwohl voll digital, hat BMW das Kombiinstrument noch mit physischen Einrahmungen wie bei klassischen Analogrundinstrumenten inszeniert. Alternativ gibt es auch eine Kombiinstrumentversion mit einem 12,3 Zoll großen Display, welches viele Anzeigemodi erlaubt. Ebenfalls mit Display und Touchfunktionen aufgewertet wurde der “Zündschlüssel”, bei dem es sich vielmehr um einen multimedialen Signalgeber handelt, mit dem man unter anderem dem 7er von außen den Befehl geben kann, selbsttätig in eine Parklücke zu fahren – was sich als praktisch erweisen kann, wenn die Parkbox besonders eng ist.

Der Fond des BMW 7er bietet Platz und Komfort.
Der Fond des BMW 7er bietet Platz und Komfort.

Besonders wohlfühlen dürfen sich die Gäste im Fond des neuen BMW 7er. Vor allem in der um 14 Zentimeter gestreckten Langversion können sie eine enorme Beinfreiheit genießen und auf elektrisch verstellbaren und klimatisierbaren Komfortsitzen das Fernseh- oder Videoprogramm auf großen Bildschirmen genießen. Diese Sitze können noch mit einer Massage-Funktion und einem Fitness-Programm-Modus aufgewertet werden. Das Klima können die hinteren Gäste zudem individuell für jeden Sitzplatz nach ihren Bedürfnissen regulieren. Viele hochwertige Materialien und ein ausgeklügeltes Lichtdesign mit verschiedenfarbigen Ambiente-Modi runden den Behaglichkeits-Overkill zusammen mit einem riesigen Glaspanoramadach ab.

Leichter dank Carbon

Im Vergleich zum Vorgänger soll der neue 7er rund 130 Kilogramm an Gewicht eingespart haben, was unter anderem dem Einsatz von Carbon geschuldet ist. Zusätzlich will BMW die dynamischen wie auch die komfortablen Fahreigenschaften weiter verbessert haben. Wie schon bei anderen BMW-Modellen gibt es einen Fahrerlebnisschalter, der es ermöglicht, zwischen sportlichen und komfortbetonten Setups zu wählen. Während das serienmäßige Luftfahrwerk die meisten Unebenheiten souverän egalisieren dürften, werden Stabilisatoren für eine verbindliche Härte bei den sportlicheren Fahrprogrammen sorgen. Clever: Vorausschauend wird das Fahrwerk auf die Fahrbahnbeschaffenheit hin angepasst, was für noch mehr Komfort und Fahrstabilität sorgen soll.

Wischen statt drehen: Neue Schalter im neuen BMW 7er.
Wischen statt drehen: Neue Schalter im neuen BMW 7er.

BMW hat den 7er vor allem auch effizienter gemacht, bei gleichzeitig verbesserter Dynamik. Zum Marktstart wird es wie bisher einen Dreiliter-Sechszylinderdiesel mit 265 PS geben, der sich im Idealfall mit nur noch 4,5 Litern begnügen soll. Mit gleicher Motorbasis, aber 320 PS stark ist der 740d. Alle Motoren werden mit einer Achtgang-Automatik kombiniert. Basisbenziner wird ebenfalls ein Reihensechser mit drei Litern Hubraum sein, der dank Aufladung mit 326 PS als 740i angeboten wird. Vorläufige Topversion ist der 750i – der Zwölfzylinder 760i wird später nachgereicht. Beim 750i kommt ein Achtzylinder mit 4,4 Litern Hubraum zum Einsatz, der dank Aufladung 450 PS leisten wird. 750i, 730d, 740e werden optional mit Allradantrieb xDrive zu haben sein, während der 740i nur als Hecktriebler und der 740d nur als Allradler angeboten werden. Übrigens ist erstmalig für die Allradversionen auch eine Allradlenkung bestellbar. Darüber hinaus ist auch eine Plug-in-Hybrid-Version geplant, die als 740e einen Vierzylinderbenziner mit einem E-Motor kombiniert. Sehr wahrscheinlich dürfte es mittelfristig außerdem einen Vierzylinder-Dieselmotor als neues Einstiegsmodell geben.

Typ Motor/Getriebe Leistung Fahrleistungen Verbrauch Preis
BMW 730d 3,0-L-R6-Diesel/8AT 265 PS/620 Nm 6,1 s/250 km/h 4,9–4,5 l/100 km 81.900 €
BMW 740d xDrive 3,0-L-R6-Diesel/8AT 320 PS/k.A. k.A./250 km/h 4,9 l/100 km 92.800 €
BMW 740i 3,0-L-R6-Benziner/8AT 326 PS/450 Nm 5,5 s/250 km/h 7,0–6,6 l/100 km 87.600 €
BMW 750i 4,4-L-V8-Benziner/8AT 450 PS/650 Nm 4,4 s/250 km/h 8,3–8,1 l/100 km 104.100 €
BMW 740e 2,0-L-R4-Benziner & E-Motor/8AT 326 PS/400 Nm 5,6 s/240 km/h 2,1 l/100 km k. A.

Ab 82.000 Euro

In der Langversion erstreckt sich der BMW 7er auf 5,24 Meter.
In der Langversion erstreckt sich der BMW 7er auf 5,24 Meter.

Spannende Innovationen bringt der 7er vor allem dank neuer Assistenzsysteme mit sich. Hier gibt es zum Beispiel einen Abstandsautomaten, der auch teilautonomes Fahren erlaubt. Neben der automatischen Regelung von Abstand und Geschwindigkeit kann der 7er außerdem in einem Staufolgemodus automatisch dem Vordermann hinterherfahren, sogar in Kurven. Ein serienmäßiger Notrufassistent, eine 360-Grad-Surroundanzeige beim Einparken, ein Einparkassistent oder ein Fernlichtassistent sollen in einigen Fahrsituationen Erleichterung bringen und die Sicherheit erhöhen. Sogar ein autonomes Einparken wird möglich sein, ebenso wie eine Car-to-Infrastructure-Kommunikation, bei der in Parkhäusern auf freie Plätze hingewiesen wird. Es wird optional übrigens Voll-LED-Scheinwerfer geben, die aber nicht über die zukunftsweisende Matrix-Technik wie beim Audi A8 verfügen werden. Dafür wird BMW für den 7er optional ein Laserfernlicht anbieten, dessen Praxisnutzen im Vergleich zum Preis allerdings gering sein dürfte.

Kurz nach seiner offiziellen Publikums-Weltpremiere auf der IAA im September 2015 wird der 7er in Deutschland auf den Markt kommen. Hierzulande kostet die vorläufige Basisversion 730d mit rund 82.000 Euro etwas mehr als bisher und damit so ziemlich genauso viel wie die Basisversion der Mercedes S-Klasse.

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(Bildmaterial: BMW)


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