Sherp ATV: Tut alles, überall. Aber nicht schnell

Ein Fahrzeug wie ein Gletscher
Mit solchen Reifen geht man auch im Wasser nicht unter
Reifen so groß wie ein Kleinwagen. NVS my world / shutterstock.com
alessandro
Einleitung von Alessandro Radegonda, Redakteur bei PKW.de 30.07.2019

Was brauchen Sie, wenn Sie wirklich überall hinfahren wollen? Einen Jeep? Einen Landrover? Einen Panzer? All diese Fahrzeuge sind nichts weiter als Spielzeuge, die nur in leichtem Gelände funktionieren. Stellt man ihnen auch nur ein kleines Gebirge in den Weg, müssen sie aufgeben. Selbst so etwas Banales wie ein Fluss hält sie auf. Wer fahren will, wo nie zuvor ein Mensch gefahren ist, braucht einen Sherp ATV. Und „All Terrain Vehicle“ ist hier erstmals keine Übertreibung. Was kann der Sherp sonst noch?

Der Sherp ATV kann so viel mehr als ein Auto

Offroad-Vehikel wie der G-Wagon von Mercedes, die höheren Landrover-Modelle oder auch teurere Pickup-Trucks kommen mit allerlei Luxusausstattung daher. Teure Soundanlagen verwöhnen die Ohren und Ledersitze machen auch lange Reisen sehr komfortabel.

Im Sherp sieht das etwas anders aus, dieses Fahrzeug ist für die russische Tundra gebaut. Die Sitze sind hart wie Bretter, auf Infotainment muss man verzichten und gefedert ist das Fahrwerk auch nicht. Stattdessen verlässt man sich, um Stöße zu absorbieren, auf die Reifen. Und die haben es, im wahrsten Sinne des Wortes, in sich. Ganze 800 Liter Luft passen in die Pneus. Damit verdrängen sie so viel Wasser, dass das Fahrzeug beim Durchwaten von Gewässern einfach den Bodenkontakt verliert und zum Boot wird. Selbst die besten Geländewagen haben nur eine Wattiefe von maximal einem Meter.

Kein Hindernis ist zu groß. Sergey D / <a href='https://www.shutterstock.com'>shutterstock.com</a>
Kein Hindernis ist zu groß. Sergey D / shutterstock.com

Einen Sherp ATV kann man überall fahren. Aber will man das auch?

Von einem Fahrzeug wie dem Sherp darf man einige Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, nicht erwarten: Für die Straße ist das Fahrzeug fast gänzlich unbrauchbar. Darum dürfte es auch schwer werden, eine Straßenzulassung zu bekommen.

Die Lenkung funktioniert tatsächlich eher wie die eines Panzers: Will man nach links fahren, werden die beiden linken Reifen gebremst, während die rechten das Fahrzeug um die Kurve drücken. So kann man das Fahrzeug auf einer 2-Euro-Münze wenden, wenn man möchte. In den Reifen selbst ist dabei kaum Luft: Selbst mit 0,5 Bar lassen sie sich fahren, ohne dass etwas passiert. Damit man keinen Kompressor mitführen muss, können die dicken Pneus einfach mit den Abgasen des Dieselmotors befüllt werden. So ist man für wirklich jedes Gelände gewappnet.

Der Motor selbst ist nicht wirklich ein Kraftwunder: 45 PS erzeugt das Aggregat, das eigentlich nie für den Einsatz in Fahrzeugen gedacht war. Der Dieselantrieb aus Japan kommt eigentlich in Generatoren zum Einsatz und ist damit nicht nur extrem langlebig, er kann auch mit minimalem Aufwand betrieben werden und funktioniert ganz ohne Elektronik auch bei Temperaturen von -40 Grad. Verbrauch: 2 Liter Diesel pro Stunde.

Der ATV in freier Wildbahn. Anna Sharaeva / <a href='https://www.shutterstock.com'>shutterstock.com</a>
Der ATV in freier Wildbahn. Anna Sharaeva / shutterstock.com

Sherp ATV – der ultimative Geländewagen

Natürlich muss man sich fragen: Braucht man ein Fahrzeug wie den Sherp? Nein, definitiv nicht. Der Nutzwert für den deutschen Durchschnittsbürger ist praktisch nicht existent. Der Wagen ist zu breit für deutsche Autobahnbaustellen und dürfte mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h eh nicht auf die Autobahn. Förster und Umweltschützer sehen es nicht gerne, wenn man mit Schaufelreifen mittelgroße Kanäle in die Landschaft gräbt. Aber die nächste Sturmflut, das nächste Hochwasser oder der nächste Orkan kommt bestimmt. Und wieder wird man Menschen sehen, die sich auf die Dächer ihrer Häuser retten oder durch Schneemassen von der Außenwelt abgeschnitten sind. Ein Sherp kann diese Menschen versorgen oder retten. Leider kostet das Fahrzeug ganze 65.000 Euro.

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