25.03.2015

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Der Drahtseilakt des XF

Jaguars obere Mittelklasse versprüht eine neue Leichtigkeit
Drahtseilakt: Zur Pressepremiere schickt Jaguar den XF auf zwei Drahtseilen über die Themse.
Gewagtes Manöver: Der deutlich leichtere Jaguar XF auf dem Weg zu seiner Pressepremiere.
mario
Einleitung von Mario Hommen, Redakteur bei PKW.de 25.03.2015

Köln, 25.03.2015 – Kaum zu glauben, doch es ist schon wieder sieben Jahre her, dass die britische Traditionsmarke mit dem XF eine deutlich neue Richtung vor allem beim Design eingeschlagen hat. Jetzt folgt die Neuauflage, die nun so gar nicht mit dem Vorgänger brechen will. Offensichtlich hat Jaguar nach dem Wechsel vom Retro-S-Type zum XF seine Linie gefunden und diese außen wie innen lediglich feiner gemacht. Das Revolutionäre bleibt hingegen unsichtbar, denn den größten Fortschritt bietet die Leichtbaukonstruktion der Karosserie, weshalb Jaguar im Rahmen einer Premierenveranstaltung in London den XF in einer spektakulären Show allein auf zwei Drahtseilen über die Themse fahren ließ.

Doch zunächst zu den Äußerlichkeiten: Auf den ersten Blick würde man kaum einen Unterschied feststellen wollen, denn eigentlich macht der neue XF optisch da weiter, wo der Vorgänger mit dem Facelift von 2011 aufgehört hat: Glatt, elegant, schnörkellos kommt die Limousine der oberen Mittelklasse daher. Die Neuerungen erkennt man erst auf den zweiten Blick: Die Scheinwerfer haben jetzt ein technisch edleres Inneres, was in gleicher Weise auch auf die Heckleuchten mit ihrem vom F-Type bekannten Doppelschwung zutrifft. Außerdem verläuft die Schlitzung in den vorderen Kotflügeln horizontal statt bisher vertikal. Schließlich wirken die Lichtkanten schärfer akzentuiert und die Proportionen dank der leicht zurückgesetzten Fahrgastzelle knackiger proportioniert. Zudem ist der Wagen windschnittiger, denn der cW-Wert sank von 0,29 auf 0,26.

Aufgeräumt und aufgewertet: Der Innenraum des neuen Jaguar XF.
Aufgeräumt und aufgewertet: Der Innenraum des neuen Jaguar XF.
Auch der Innenraum ist dem des Vorgänger-XF sehr ähnlich. Wie bisher fällt die sehr aufgeräumte Mittelkonsole mit ihrem versenkbarem Automatikwahlhebel ins Auge. Einen großen Schritt nach vorne macht der XF allerdings mit neuer Display-Technik. So befindet sich zentral im Armaturenbrett ein über 10 Zoll großer Touchscreen, der zu Darstellung und als Bedienoberfläche der noch jungen Infotainment-Generation InControl Touch Pro gehört. Das völlig veraltete System beim Vorgänger musste dringend erneuert werden. Jetzt bietet InControl einen schnelleren Prozessor, eine feine Grafik, eine durchdachtere Bedienlogik und eine zeitgemäße Konnektivität. Zusätzlich kann der große Bildschirm des Multimedia-Alleskönners in einer Split-Screen-Version geordert werden, die es Beifahrer und Fahrer ermöglicht, auf dem selben Display unterschiedliche Inhalte zu sehen. Hinterm Lenkrad bietet der neue XF ein sogar noch größeres 12,3-Zoll-Display, welches das bisher aus analogen Rundinstrumenten bestehende Kombiinstrument ersetzt. Jetzt ist die Darstellung fahrrelevanter Informationen frei konfigurierbar, wobei man sich weiterhin auch an einer klassischer Rundinstrumenten-Darstellung erfreuen kann. Optional kann man auch ein Head-up-Display ordern, welches wichtige Informationen zusätzlich in die Windschutzscheibe projiziert. Weiteres Plus des Innenraums: Dank eines um 51 Millimeter auf 2,96 Meter gewachsenen Radstands haben Passagiere mehr Entfaltungsspielraum.

Fast 200 Kilogramm weniger Gewicht

Dank Aluleichtbauweise dürfte der Jaguar XF noch mehr Fahrspaß bieten.
Dank Aluleichtbauweise dürfte der Jaguar XF noch mehr Fahrspaß bieten.
Den größten Fortschritt bringt allerdings die neue Plattform des XF mit sich. Wie schon beim kleineren XE setzt der Wagen auf der modularen iQ-Alu-Architektur auf. Sie besteht zu circa 75 Prozent aus Aluminium und sorgt so für eine deutliche Gewichtsreduzierung von rund 190 Kilogramm. So könnte der aktuelle Basisdiesel statt der aktuell 1.745 Kilogramm nur noch 1.550 Kilo auf die Waage bringen. Ein in der Tat sehr niedriger Wert, der mit deutlichen Vorteilen in Hinblick auf die Dynamik wie auch den Verbrauch einhergeht.

Informationen zu Fahrleistungen und Verbräuchen gibt es allerdings noch nicht. Allein zum 163 PS starkem Zweiliter-Diesel hat Jaguar den Verbrauchswert mit 3,9 Litern angegeben. Zum Vergleich: Der BMW 520d mit 190 PS liegt bei einem Wert von 4,3 Litern. Der 163-PS-Diesel ist übrigens der einzige XF-Antrieb, den Jaguar wahlweise mit manuellem Sechsgang-Getriebe oder einer achtstufigen Automatik anbietet. Alle anderen Aggregate werden allein als Selbstschalter angeboten. Über dem Basisdiesel rangiert ein Selbstzünder mit gleichgroßem Hubraum, der allerdings mit 180 PS und 430 Newtonmetern Drehmoment etwas mehr Leistung an die Hinterräder bringt. Außerdem wird es wieder einen Dreiliter-V6-Bi-Turbodiesel mit 300 PS und 700 Newtonmetern geben. In Deutschland werden sie wohl im Verkaufsmix keine Rolle spielen, dennoch wird es den XF auch mit zwei Dreiliter-V6-Benzinermotoren geben. Das schwächere Kompressoragregat leistet 340 und 450 Newtonmeter, die stärkere Version 380 PS. Wie schon beim Vorgänger, wird auch der neue XF optional mit Allradantrieb erhältlich sein, der ein eher hecklastiges Fahrvergnügen bieten soll.

Fahrspaß garantiert

Erinnert an XE und F-Type: Die XF-Rückleuchte mit Doppelschwung.
Erinnert an XE und F-Type: Die XF-Rückleuchte mit Doppelschwung.
Wie bisher wird sich der XF darum bemühen, seinen Fahrer mit einem hohen Komfortniveau wie auch gehobener Fahrdynamik zu verwöhnen. Das Heckantriebs-Layout bietet hierfür schon mal gute Voraussetzungen. Hinzu kommt die leichte Alustruktur, eine nahezu 50-zu-50-Achslastverteilung und eine im Vergleich zum Vorgänger um rund 30 Prozent steifere Karosserie. Hinzu kommen doppelte Dreiecksquerlenker vorne und Einzelradaufhängung hinten. Die elektromechanische Lenkung ist mit der aus dem F-Type und XE identisch. Aktive Dämpfer wird es als Option geben, zudem wird man per Knopfdruck ein unterschiedliches Setup von Lenkung, Dämpfung und Schaltcharakteristik wählen, welches dem Fahrer die Wahl zwischen einer komfortablen und sportlichen Abstimmung ermöglicht.

Nach seiner gestrigen Pressepremiere in London wird sich der XF Anfang April auf der New York Autoshow einem größeren Publikum präsentieren. Die Markteinführung in Deutschland dürfte wohl im Herbst 2015 sein. Preise werden noch nicht genannt, doch könnten sich diese angesichts einer künftig schwächeren Basisversion sogar um einige tausend Euro unterhalb des aktuell mindestens 46.000 Euro teuren XF bewegen.

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(Bildmaterial: Jaguar)


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