Japans Automarken sind im Wandel

Die japanischen Autobauer müssen sich auf neue Zeiten einstellen.
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Toyota setzt verstärkt auf Hybrid. Zavatskiy Aleksandr / Shutterstock.com
christoph
Einleitung von Christoph Sedlmaier, Redakteur bei PKW.de 04.04.2018

Die japanischen Autobauer stehen unter Druck. Die wiedererstarkte Konkurrenz aus den USA und vor allem die deutschen Automarken sorgen für einen Innovationsdruck und ein Gefühl des Zugzwangs. Doch wie werden sich die Japaner verhalten und auf die neuen und kommenden Aufgaben reagieren?

Ein Autoland in Aufruhr

Die große Autoindustrie des Inselstaates Japan befindet sich momentan in einer turbulenten Phase: Toyota, neben VW der größte Autobauer der Welt, fürchtet, zum Dinosaurier unter den Global Playern zu werden. Das Tokioter Unternehmen muss sich die Weltspitze mit dem VW-Konzern teilen, da die Wolfsburger aufgrund ihrer Markenvielfalt massiv an Kunden und Absatz gewonnen haben (besonders Seat und Skoda erfreuen sich hoher Beliebtheit). Akio Toyoda, der starke Mann an der Spitze des Konzerns aus Tokio, sieht im Autobau massiven Nachholbedarf für die kommenden Jahre. Er will nicht, dass sein Unternehmen zum Dino verkommt, der sich nicht schnell genug den neuen Bedingungen innerhalb der Autobranche anpassen kann und daher auf der Strecke bleibt.

Die Angst der japanischen Autokonzerne ist durchaus nicht unberechtigt: Obwohl die acht Automobilhersteller seit Jahren konstant 30 % des weltweiten Automobilaufkommens produzieren, ist ein Niedergang wie bei der japanischen Konsumelektronik-Branche durchaus denkbar. Die Japaner fürchten, das Rennen um neue digitale Techniken, Innovationen und das Thema des Autonomen Fahrens zu verlieren. Besonders im Hinblick auf die starke deutsche Konkurrenz. Diese Problematik zeigt sich auch an der Anzahl der unabhängigen Autohersteller in den wichtigsten Standorten der internationalen Autoindustrie. Während Japan wie bereits erwähnt acht unabhängige Automobilbauer beheimatet, sind es in den USA (Ford, General Motors und Tesla Motors) sowie der Bundesrepublik (BMW, Daimler und VW) jeweils drei große Unternehmen.

Klar sind es auch in den USA und der BRD größere Unternehmensgruppen (General Motors oder die BMW Group / der Volkswagen-Konzern), allerdings sind diese Unternehmen hoch profitabel und beginnen verstärkt, in neue Technologien zu investieren. So will Ford circa 11 Milliarden Dollar oder BMW künftig etwa 7,5-8,5 Milliarden Euro in seine BMW i-Marke stecken.

Umbau einer Branche

Doch auch die Japaner beginnen, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Die Konzerne fangen an, eine verschlankende Konsolidierung ihrer eigenen Autoindustrie vorzunehmen. So übernahm Toyota im Jahr 2016 den Autohersteller Daihatsu sowie Nissan die Geschicke bei Mitsubishi, deren Konzern sehr stark unter den Dieselmanipulationen gelitten hatte. Ebenso wollen die Unternehmen enger zusammenarbeiten und Kapitalallianzen wie Kooperationen schließen, um das veraltete „Keiretsu-Netzwerk“ aufzuspalten.

Dieses alte Liefermodell sorgte dafür, dass sich jeder Autokonzern ein eigenes Netzwerk aus Zulieferkonzernen hielt, um die Kosten gering zu halten. Hier wäre besonders eine globalisierte Lieferkette vorteilhafter, da viele Autobauer ihre Autos größtenteils außerhalb Japans bauen lassen (Toyota beispielsweise in Köln) und somit die Lieferwege verkürzt werden können. Ebenso müssen die Konzerne den mangelnden Nachwuchs an qualifizierten Ingenieuren aufgrund der gesellschaftlichen Überalterung in Japan ausgleichen und da neue Wege und Ideen einbringen.

Aber die Konzerne müssen nicht nur neue Maßnahmen ergreifen, sondern können auch auf neue und vor allem eigene Maßnahmen der Vergangenheit aufbauen:

Mazdas Vision eines neuen Sportwagens. betto rodrigues / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
Mazdas Vision eines neuen Sportwagens. betto rodrigues / Shutterstock.com

Besonders Mazda sticht hier ein wenig hervor, denn dem Autobauer aus Hiroshima gelang mit der Schaffung der KODO-Designlinie und der peniblen, aber sehr konsequenten Entwicklung der eigenen „SkyActiv“-Motorentechnologie ein fulminantes Comeback. Besonders auf deutschen Straßen stehen, bzw. rollen viele Mazda als sichtbarer Beweis umher. Auch hat Mazda es geschafft, relativ günstig aus dem Dieselgate-Skandal herauszukommen und Autos verbunden mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis bei hoher Qualität zu bauen.

Doch nicht nur Mazda steht für ein neu gefundenes japanisches Selbstvertrauen. Auch Toyota sowie Nissan beginnen, fleißig an der Zukunft zu arbeiten.

Toyota wird bis 2022 einen zweistelligen Milliardenbeitrag in die Forschung und Entwicklung der neuen, alternativen Antriebe stecken. Der Konzern aus Tokio will besonders neben Hybrid, Plug-in-Hybrid und Elektroantrieb den Brennstoffzellenantrieb fördern und vorantreiben. Auch Nissan hat mit den Konzeptstudien Nissan xMotion sowie dem Infiniti Q Inspiration äußerst interessante Ideen für die Zukunft auf der NAIAS 2018 vorgestellt.

Aus Acht werden die „Großen Drei“

Da Toyota wie auch Nissan beginnen, kleinere japanische Autobauer, wie bereits erwähnt, zu übernehmen, wird sich die japanische Autobranche verkleinern. Neben Toyota und Nissan wird es einen „Kampf“ zwischen Mazda und Honda geben. Während Mazda einen homogenisierten Antrieb aus Benzin und Diesel für März 2019 angekündigt hat, plant der Autobauer aus Hiroshima auch die Einführung von Hybrid- und Elektromodellen für das kommende Jahr. Mit Hinblick auf diese ehrgeizigen Pläne befindet sich Mazda seit dem Jahr 2015 in einer Kapitalallianz mit Toyota, das auch Schritt für Schritt Suzuki wie auch die hochprofitable Rallye-Marke Subaru übernehmen möchte. Honda hat sich zwar von seiner konservativen Einstellung, eigene Anteile nicht an Partner abzugeben, nicht ganz gelöst, allerdings sind die Japaner eine Entwicklungspartnerschaft mit GM eingegangen.

xMotion - Nissans Idee eines modernen SUV. Steve Lagreca / <a href='http://www.shutterstock.com/'>Shutterstock.com</a>
xMotion - Nissans Idee eines modernen SUV. Steve Lagreca / Shutterstock.com

Nissan ist hingegen durch seine langjährige Partnerschaft mit dem französischen Autobauer Renault und seine beliebte Luxusmarke Infiniti sehr gut aufgestellt. Nissan prosperiert unter Carlos Ghosns Führung und wird dank des Verbundes mit Renault, Dacia sowie Infiniti zu Toyota und VW aufschließen. So wird auch Wissensaustausch für moderne Konzepte der zukünftigen Mobilität gegeben sein.

Alles in allem sieht sich die japanische Autoindustrie einem massiven Umbruch ausgesetzt, der bereits in seinen Grundzügen begonnen hat und sich fortsetzen wird. Die mittlerweile stark aufholenden deutschen Hersteller sowie die mit neuem Selbstvertrauen ausgestatteten US-Autobauer von Ford und General Motors werden neue Ideen anstoßen.

Wie die Entwicklung auch allgemein ablaufen wird, wir als Kunden können davon nur profitieren.


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