Ist Volkswagen der Bösewicht der deutschen Autoindustrie?

Volkswagen finanzierte Versuche an Tieren und Menschen. Gebracht haben sie nichts.
Affen als Versuchsteilnehmer?
Auch er scheint von VWs Forschungsmethoden nicht sonderlich begeistert zu sein. mlorenz / Shutterstock.com
jonas
Einleitung von Jonas Futschik, Redakteur bei PKW.de 14.02.2018

Volkswagen, der verlässliche Autokonzern aus Deutschland, der seit Jahrzehnten die Lieblingsautos der Deutschen baut, könnte am Ende doch nur ein weiterer, böser Megakonzern sein. Die Sache mit den dreckigen Dieselautos, den dreisten Lügen und den Vertuschungen haben wir ja schon zu genüge behandelt, aber was jetzt ans Tageslicht kommt, lässt viele Kunden an den Moralvorstellungen der Manager zweifeln. Nicht nur Menschen, sondern auch Affen mussten für Abgasversuche stundenlang die Auspuffgase eines VW Beetle einatmen. Wer nach dem „Dieselgate“ immer noch von der Mär vom ehrlichen Volkswagen überzeugt war, sollte jetzt noch einmal genau nachlesen.

Wer führte die Tierversuche durch?

Wie überzeugt man Regierungen und Verbraucher davon, dass eine Technologie für den Menschen unschädlich ist? Am besten betraut man ein Forschungsinstitut damit, eine Studie zum Thema durchzuführen. Natürlich soll das Ergebnis aber überzeugen, darum ist es vorteilhaft, ein eigenes Forschungsinstitut zu haben. Die „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“, kurz EUGT, war genau das. Zwar behauptete man immer wieder, unabhängig zu sein, aber allein ein Blick in den Vorstand des Instituts lässt Zweifel aufkommen. Der bestand aus:

  • • **Dr. Gunter Zimmermeyer, Leiter des Verbindungsbüros Berlin-Brüssel, Bosch GmbH**
  • • **Max Conradi, bei fraport Abteilungsleiter für Umweltauswirkungen**
  • • **Dr. Udo Hartmann, Leiter Umweltschutz bei Daimler**
  • • **Frank Hansen, Leiter des Kompetenzzentrums Urbane Mobilität bei BMW**
  • • **Hans Georg Kusznir, Außen- und Regierungskommunikation, Volkswagen AG**

Eine Liste, die sich liest wie das Who-is-Who der deutschen Automobillobby. Diese fünf Herren also waren es, die plötzlich ihre Kontakte in die Politik und Industrie aufgeben, und sich dem hehren Ziel der Wissenschaft widmen wollten, so ganz uneigennützig. Im Vorstand der EUGT waren sie mitverantwortlich für die Forschung, die den Diesel, oder zumindest sein Image, endlich sauber machen sollte. Seit 2007 lief die Forschung, die nie wirklich aussagekräftige Ergebnisse erzielen sollte. Und das trotz der makaberen Methoden, die nun im Zuge der Untersuchung des Dieselskandals in den USA ans Licht kommen.

Tierversuche und Studien an Menschen

Laut Medienberichten wurden freiwillige Versuchspersonen in den Studien für mehrere Stunden Stickoxiden ausgesetzt. Diese Gase sind die Hauptursache für sauren Regen und Smog und werden bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff in großen Mengen freigesetzt. Angeblich soll eine Ethikkommission die Versuche an menschlichen Objekten genehmigt haben. Der Aufbau der Tierversuche war nicht nur simpler, sondern auch makaberer. Die Tiere sollen in luftdichten Glaskästen gesessen haben, an die der Motor eines VW Beetle angeschlossen war. Über mehrere Stunden sollen sie Dieselabgase eingeatmet haben. Zur Beruhigung wurden den Tieren Zeichentrickfilme vorgespielt. Ein beteiligter Wissenschaftler wird mit den Worten „Sie mochten es, Cartoons zu gucken.“ zitiert. Das EUGT gibt es seit 2017 nicht mehr. Nachdem der Dieselskandal seinen Höhepunkt erreicht hatte, zog Volkswagen sich hastig aus der Initiative zurück. Der Traum vom wissenschaftlich belegten sauberen Dieselmotor war ausgeträumt.

Die Tierversuche bei VW sind die Krönung einer langen Liste.

Es hat also immer mehr den Anschein, als sei der verlässliche, sympathische Volkswagen-Konzern in seiner eigenen Geschichte der Bösewicht. Man kommt nicht umhin, sich Martin Winterkorn und den VW-Vorstand mit Gesichtsnarbe und einer weißen Katze auf dem Schoß vorzustellen. Trotzdem wird VW weiter Autos verkaufen, und auch die neuesten Enthüllungen werden für die Verantwortlichen größtenteils ohne Folgen bleiben. Immerhin handelte man im Namen der Wissenschaft, und überhaupt hat VW mit der EUGT ja überhaupt nichts zu tun. Wir blicken gespannt und besorgt auf das, was die Ermittlungen rund um das „Dieselgate“ noch so zu Tage fördern könnten. Bis dahin freuen wir uns auf das Elektroauto.


Weitere Artikel zu diesem Thema