BMW Isetta: Der Mikro-BMW ist heute ein Kult-Gebrauchter

Die BMW Isetta gehört zu jenen automobilen Charakterdarstellern des Wirtschaftswunder-Deutschlands, denen man noch einen ganz besonderen Namen aufdrückte: Knutschkugel wurde das Mikro-Mobil passender Weise vom Volksmund getauft. Für BMW war der Zweisitzer ein Glücksgriff, dessen Erfolg dem deutschen Hersteller das Überleben sicherte. Heute ist die kurios anmutende Mischung aus Roller und Auto ein gesuchter und recht seltener Gebrauchtwagen. Und teuer ist die Isetta im Vergleich zum einstigen Neuwagen-Preis geworden. Doch als Wertanlage könnte sich die Investition durchaus lohnen.

BMW Isetta 250 Export 4-Rad 1961

  • 13.744 km
  • 07/1961
  • 9 kW (12 PS)

D-72213 Altensteig -

€ 11.299,–
Bei diesem Fahrzeug ist keine PKW.de-Fahrzeugbewertung vorhanden

BMW Isetta 250 Export 4-Rad 1959

  • 41.592 km
  • 07/1959
  • 9 kW (12 PS)

D-72213 Altensteig -

€ 9.999,–
Bei diesem Fahrzeug ist keine PKW.de-Fahrzeugbewertung vorhanden

BMW Isetta: Die italienische Rettung

Im Nachkriegs-Deutschland war trotz Wirtschaftswunder der eigene Pkw ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten. Begehrt und häufig waren hingegen die günstigen Motorräder. Als eine Art Zwischending kamen in den 1950er-Jahren deshalb sogenannte Rollermobile in Mode. Sie boten auf kleinstem Verkehrsraum und mit kleiner Motorisierung eine günstige Alternative zu den teuren Autos, für die man als Selbstfahrer zudem den ebenfalls teuren Führerschein Klasse III benötigte. Für Rollermobile wie der seit 1955 gebauten BMW Isetta reichte hingegen der alte Führerschein Klasse IV. Dennoch boten diese Fahrzeuge für wenig Geld dank geschlossener Fahrgastzelle den Allwetter-Komfort eines echten Automobils.

Dabei war die BMW Isetta ein aus der Not geborenes und eigentlich sehr untypisches Modell der bayerischen Marke. BMW geriet in den 1950er-Jahren unter anderem aufgrund einer verfehlten Modellpolitik in eine schwere finanzielle Krise. Geld für eine Neukonstruktion war nicht mehr vorhanden, weshalb man sich im Fall der Isetta einer italienischen Entwicklung bediente, die der einstige Kühlanlagen-Hersteller Iso Rivolta 1954 präsentierte. BMW entschied sich aus finanziellen Gründen für den Lizenzbau der Isetta. In einigen Punkten optimierte man in München die clevere Konstruktion und pflanzte ihr einen Einzylindermotor mit 250 Kubikzentimetern Hubraum aus eigener Produktion ein.

Als Neuwagen nur 2.580 D-Mark teuer

Zum Preis von 2.580 D-Mark brachten die Bayern das zweisitzige Mini-Mobil 1955 auf den deutschen Markt. Der recht bescheidene Preis, eine wie bei einem Auto schützende Kabine sowie die mit 2,29 Metern Länge äußerst kompakte wie durchdachte Konstruktion sorgte für viel positive Resonanz in der deutschen Öffentlichkeit. Ein Clou war der Einstieg in den engen Fahrgastraum: Wie bei einem Kühlschrank öffnete sich der Vorderwagen nach vorne, was einen bequemen Zustieg zu der durchgehenden Sitzbank erlaubte, die zwei Gästen Platz bot. Windschutzscheibe und ein kleines Armaturenbrett samt Lenkrad befanden sich dabei in der Tür. Wurde diese geöffnet, bewegte sich die Lenksäule mit. Mit der Lenkung bewegte der Fahrer die Räder der relativ breiten Vorderachse, während die Hinterachse extrem schmal baute – trotz der beiden eng beieinanderliegenden Hinterräder hatte die Isetta fast schon Dreirad-Charakter. Praktisch: Aufgrund der 50 Zentimeter schmalen Spur erübrigte sich ein Hinterachsdifferenzial.

Angetrieben wurde BMWs Isetta von einem Einzylinder-Viertaktbenziner, der in seiner 250-Kubik-Version 12 und in einer ab 1956 offerierten 300-cm³-Variante 13 PS leistete. Gekoppelt war das Aggregat an eine Viergang-Schaltung. Ungewöhnlich bei den damaligen Mikro-Mobilen: Das Getriebe bot sogar einen Rückwärtsgang. Ein Beschleunigungswert erübrigt sich, denn maximal schaffte der BMW nur 85 km/h. Trotz Wirtschaftswunder war das Leben in den 1950er-Jahre vergleichsweise entschleunigt. Auch BMWs Freude am Fahren bewegte sich noch auf einem recht bescheidenem Niveau. Immerhin war das Rollermobil in Hinblick auf den Verbrauch aus heutiger Sicht fortschrittlich, denn frisch ab Werk konnte man eine Isetta mit nur knapp über drei Litern Benzin auf 100 Kilometer fahren. Allerdings sorgte zunehmender Verschleiß beim Motor praktisch oft für deutlich höhere Verbrauchswerte, was sich auch an Leistungsverlusten und blauen Rauchfahnen aus dem Auspuff zeigte.

Vier Sitze, zwei Zylinder: BMW Isetta 600

Deutlich aufgerüstet wurde die Isetta in der ab 1957 angebotenen Version 600, die eine 2,90 Meter lange Karosserie mit einer zusätzlichen Seiteneinstiegstür in den Fond bot, über die man Zugang zu einer Rückbank mit zwei weiteren Sitzplätzen erlangte. Diese Viersitzer-Isetta bekam dann auch einen kraftvolleren 0,6-Liter-Zweizylinder-Boxermotor, der 19,5 PS mobilisierte. Der Viertakter erreichte damit sogar die 100 km/h, musste aber auch deutlich mehr gefüttert werden: Der Verbrauch der Isetta 600 lag bei 5,5 Liter.

Für BMW wurde die Isetta zum Erfolg. Bis zum Produktionsende im Mai 1962 wurden über 160.000 Isetta gebaut. Die im Volksmund gerne auch Knutschkugel genannte Mischform aus Auto und Roller verhalf den Münchenern wieder zu mehr finanziellem Spielraum. BMW hatte wieder ausreichend liquide Mittel zur Konstruktion eines neuen Mittelklasse-Modells, der sogenannten Neuen Klasse, die letztlich BMWs Aufstieg zu einem globalen Premiumhersteller mitbegründete. Insofern ist die Rolle der Isetta, obwohl ein Alien im BMW-Portfolio, für den Erfolg des Münchener Autobauers nicht zu unterschätzen.

Heute kostet die Isetta ein Vielfaches vom Neuwagen-Preis

Obwohl eine Legende in der BMW-Historie, wurde der Name Isetta trotz häufig wiederkehrender Gerüchte bislang von BMW nicht wiederverwendet. Insofern basiert der Kult der Isetta auf einer mittlerweile über 50 Jahre alten Konstruktion, die auf dem Gebrauchtwagen-Markt nur noch eine Randerscheinung ist. Relativ häufig gibt es die zweisitzige Version als Gebrauchtwagen, sehr selten ist hingegen der 600. Doch beide kann man auf dem freien Markt noch kaufen. Dem Interessierten wird auf Online-Börsen eine kleine, aber feine Auswahl geboten. Allerdings ist der finanzielle Aufwand, der für gut erhaltene Exemplare verlangt wird, hoch. Mit gut 30.000 Euro sollte man ruhig rechnen, wobei es hier noch Spielraum nach oben und nach unten gibt. Für untere fünfstellige Summen kann man auch gebrauchte Isetta bekommen, die nach einer intensiveren Aufbereitung verlangen. Wer eine BMW Isetta im schlechten Zustand ergattert, könnte sich ein mit viel Zeitaufwand verbundenes, aber gewinnbringendes Hobby zulegen.

BMW Isetta 250
Produktionszeitraum1955–62
Preis (Neuwagen)ab 2.580 Euro
Höchstgeschwindigkeit85 km/h
0–100 km/hk. A.
Verbrauch (kombiniert)3,45 l/100 km
CO₂k. A.
Zylinder/Ventile1/2
Hubraum247 cm³
Leistung (kW/PS bei U/min.)8,8/12 bei 5.800
Drehmoment (Nm bei U/min.)k.A.
Maße (L x B x H)2.285 mm x 1.380 mm x 1.340 mm
AntriebHeck
Tankinhalt13 l
TreibstoffBenzin
Leergewicht350 kg
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem »Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen« entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
PKW.de – Gebrauchtwagen, Neuwagen, Jahreswagen und alles rund ums Auto.